Reim im Hain – „Menkenke aufm Mont Klamott“ von Pilskills

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Pilskills? – Ja, kann man machen. Kein Anlass für die Wortspiel-Polizei auszurücken.  Für eine HipHop Crew allerdings nichts, wodrauf man sich ein Ei backt. Denn daraus (dem spielerischen Umgang mit Worten) besteht ja gewissermaßen das Rap-Ding. Wissen auch Dehfone und Bagman, die seit 1997 als Pilskills den Hip Hop subversiv unterwandern. Und jetzt mit "Menkenke aufm Mont Klamott" ihr was-weiß-ich-wievieltes Album veröffentlichen.

Pilskills
Menkenke aufm Mont Klamott
Chefhain Weltrekords / HHV
19. Dezember 2014
7 / 10
Erhältlich bei HHV | Bandcamp | iTunes

Vor knapp 15 Jahren war Hip Hop noch ein anderer. Notorious B.I.G. aß seinen letzten Burger und Eminem kannte noch kein Schwein. Gar nicht erst zu reden von Trap und Timberland. Vor knapp 15 Jahren war Hip Hop ohne Samples, Scratches und Skills überhaupt nicht zu denken. Und klang aus eben diesem Grund genauso wie auf "Menkenke aufm Mont Klamott". Ob Pilskills deswegen als Anachronismus beschimpft werden dürfen oder als Bewahrer der Tradition gefeiert werden müssen, weiß  der Autor nicht zu sagen. Fest steht nur, dass die Old-Skool-Ästhetik immer beides zugleich ist: Segen und Fluch.

Dass sie mit ihren Rap-Skills gegen Kollegen wie Flexis  oder Machone keinen Stich sähen, tut der Sache keinen Abbruch. Dass sie sich weniger gelungenen Darbietungen wie zum Beispiel auf "Salsa" nicht haben enthalten können, schon ein bisschen – wenn Old-Skool nur noch zum Schenkelklopfen taugt, muss man die Beine in die Hand nehmen. Aber alles nicht so wild – denn Pilskills machen mit ihrer Sympathie viel mehr wett als Jennifer Rostock mit Tatoos. Außerdem: Mr. Mick, seines Zeichens Produzent von "Menkenke aufm Mont Klamott" hat ganze Arbeit geleistet. Den klassischen Boom-Bap Sound, dem ja auch der Wahlberliner Figub Brazlevic gerade einen weiteren Frühling beschert hat, fusioniert er mit der humorig-anarchistischen Methodik eines Prince Paul: Unerwartete Sample-Quellen, reichlich Skits und Interludes, seltsame Hooks. Wer’s nicht glaubt, darf sich gerne "Alle Rapper sind schon da" mit Die Erikas antun.

Was mit dem letzten Absatz auch klar geworden sein dürfte: Money, Guns und Bitches sind nicht die Themen, die die Pilskills Crew umtreiben. Stattdessen widmen sich die nicht vorbestraften und vernunftbegabten Mittdreißiger Dingen, die sie wirklich etwas angehen: Erste Vergangenheits-Reminiszenzen ("Thorsten" & "Zehn-Fünfzehn-Zwanzig"), die Sinnlosigkeit des "Warten", Stadtteilromantik ("Ach Du Meine Nase") und vergnügte Selbst-Durch-Den-Kakao-Ziehungen ("Wer ist der"). Das alles und noch viel mehr serviert der Friedrichshainer Dreier auf fluffig bouncenden Golden Era-Beats, gern auch garniert mit Bläser-Samples und/oder jamaikanisch-geschwängertem Rhythmusgefühl. Sogar einen echten Höhepunkt hat die Menüfolge: Denn das eigentlich Sahnehäubchen dieser Kalten Platte ist "Dieser Tag" - die Geschichte eines ganz normalen Tages im Leben eines Zwangsjackenträgers. Poppy, amüsant, groovy. Und ganz hervorragend zum Mitgröhlen... 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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