Milder Wind – „Wilder Mind“ von Mumford & Sons

Mumford & Sons 2015 - CMS Source

Mit ihrer zutiefst christlich geprägten Schnulz-Folk-Attacke gelang den vier Mittelstands-Aspiranten aus geordneten englischen Familienverhältnissen eine gar nicht mal so kleine Sensation. Vor allem, wenn man bedenkt, dass "Wilder Mind" ja erst das dritte Album der jungen Band ist.

Mumford & Sons
Wilder Mind
Island / Universal
1. Mai 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Vor diesem Hintergrund scheint nur allzu nachvollziehbar, dass die Gerüchteküche von Erfolgsmüdigkeit zu berichten weiß: Wenn die ersten Alben sich zwar nicht unerwünscht, dennoch aber unerwartet zu weltweiten Millionen-Sellern mausern und der Einkaufsbummel zu einer Paparazzi-Hasch-Misch-Tortur wird, kann einen das Zayn Malik Syndrom ereilen. Aber ob vertraglich gebunden oder nicht: Marcus Mumford und Co haben sich (noch) gegen die Frührente auf dem Bio-Bauernhof entschieden und mit "Wilder Mind" ein Album aufgenommen, dass ziemlich viel anders klingt, als seine beiden Vorgänger.

Gesanglich, melodisch und gesamtklangtechnisch sind Mumford & Sons noch immer Mumford & Sons. Einen "Little Lion Man" Nachfolger à la "I Will Wait" vom "Babel"-Album allerdings sucht man auf "Wilder Mind" vergebens. Überhaupt: Banjos, Fiddles und anderes obligatorische Folk-Zubehör? Fehlanzeige. Vom gute alte Zeiten Ansatz ist auf dem dritten Langspieler der Twenty-Somethings nichts mehr übrig. Stattdessen mühen sich die vier an einer Formel ab, die man milde spottend auch als "Kings of Leon-Algorithmus" bezeichnen könnte: Aus einer intimen und vor allem individuellen Vorliebe für Musik von Damals ein möglichst mainstream- und stadion-taugliches Klang-Produkt für die Zukunft zu schaffen.

Und: Das muss ja schiefgehen. Denn entweder muss die Musik dran glauben oder aber die Musiker. Angesichts von AOR-Rock-Songs wie "Ditmas", "Only Love" und "The Wolf" ist der Autor geneigt anzunehmen, dass es im Falle von Mumford & Sons die Musik ist, die den Kürzeren gezogen hat. Aber sicher ist sich nicht. Denn "Just Smoke", "Hot Gates" und das experimentell wirkende "Monster" (singt Herr Mumford wirklich "Fuck Your Dreams"?) machen deutlich, dass das Quartett mit seinem bisherigen Oeuvre doch noch nicht ganz abgeschlossen hat. Solide. Aber kein Meisterwerk. Ein milder Wind im Wasser-Gläschen...

Foto: James Minchin

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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