Mit dem Blues per Du – „Crossing Borders“ von Brixtonboogie

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"The Blues ain't nothing but a good man feelin' bad", soll Leon Redbone einmal gesagt haben. Weil das so ist, ist der Blues auch mehr als nur ein Genre. Er ist eine (musikalische) Haltung. Und genau die bewahren Krisz Kreuzer und seine Mannschaft auch auf ihrem inzwischen zweiten Album "Crossing Borders" als Brixtonboogie.

Brixtonboogie
Crossing Borders
ferryhouse productions / Warner
26. April 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Auch wenn er seine Heydays durchaus hatte – eine musikalische Mode war der Blues noch nie. Der Unabhängigkeit von Zeitgeist und sonstigen kulturellen Wasserglasstürmen hat er zu verdanken, dass er genauso zum 21. Jahrhundert gehört wie Sprachsteuerung und die Cloud. Zumindest dann, wenn man es so anfängt, wie das Blues-Kollektiv aus Hamburg.

Selbstverständlich arbeiten auch Kreuzer und Kollegen – die einmal mehr aus den Vokalisten Mascha, AJay und dem Reibeisen Wayne sowie einer vierköpfigen Backingband einschließlich eines Turntablisten bestehen – mit eindeutig historischen Klangsymbolen. Ob es sich dabei um die Mundharmonika des Masterminds selber, eine lässige Bottleneck-Gitarre oder geschickte Call & Response-Arrangements handelt. Essentiell für den Brixtonboogie Blues bleibt, dass man sich trotz der Anleihen aus der Vergangenheit nicht im Retro-Dickicht verliert.

Gewürzt mit einer Rhythmuse-Prise Seeed entstehen dabei dann Songs wie "Trouble Me No", das mit seinem Dancehall-Rap zu den Höhepunkten des Albums zählt. Oder auch das mission-impossible-ige "Heaven", bei dem es Bluesette Mascha ein Vergnügen gewesen sein muss, sich als auf einer Stimmband-Höhe mit Nikka Costa und Laura Vane zu präsentieren. Und mit "Love Ain’t Just A Word" erweist sich das Blues-Kollektiv über jeden Pop-Zweifel erhaben – einer Adele hätte diese Nummer nicht weniger gut gestanden.

Am stärksten überzeugt aber hat den Autor dieser Zeilen das dreieinhalb-minütige "U Gotta Move". Ein Song, bei dem man nichts mehr wegnehmen kann; und jedes Extra Ballast wäre. Ein Beat wie ein halber Herzschlag, spärliche Klavierakkorde und dazu knochentrockene Gitarrentrauer zwischen Gary Moore und Gerry Rafferty. Außerdem - wie sagte schon Tom Waits: "U Gotta Move – After all, no dog’s ever pissed on a moving car". 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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