Mit Hybrid-Antrieb – „Maserati VII“ von Maserati

Früher war auch nicht alles schlechter? – Geht so, ne! Mindestens in einer Hinsicht aber lässt sich konzedieren: bei der Namensfindung für ein musikalisches Projekt spielte die Suchmaschinen-Tauglichkeit keine Rolle. Ob Tool sich heutzutage wieder so nennen würden, ist fraglich. Maserati hingegen nehmen es sportlich – sich nach der italienischen Sportwagenschmiede zu benennen, war ja von Anfang an Strategie. Mit dem siebenten Album "Maserati VII" dürfte das Thema neuer Name aber wohl endgültig vom Tisch sein.


Maserati Maserati VII

 

Temporary Residence / Cargo 5. Oktober 2012

 

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Selten hat der Name einer Band so gut zu ihrer Musik gepasst. Leider kann sich der Vierer aus dem musikalischen Epi-Zentrum Athens davon kaum etwas kaufen. So treffend der Bandname, so wenig massenkompatibel erweist sich Maseratis Musik. Mag sein, dass auch das zum Konzept gehört – die PS-Monster aus Bologna sind ebenso wenig jedermanns Sache. An der Qualität freilich mangelt es weder hie noch drüben.

Nach dem einigermaßen entsetzlichen Unfalltod des Schlagzeugers Jerry Fuchs im Jahre 2009 tourte sich die Band nach der Veröffentlichung des letzten Albums "Pyramid of the Sun" erst einen Wolf, nur um unmittelbar im Anschluss und mit neuem Drummer Mike Albanese das jetzt vorliegende Album einzuspielen. In einem Satz: Wie nahtlos schließt es an den Sound des Vorgängers an. Hochgeschwindigkeits-Hypnose-Rhythmen und Staccato-Synthies, durchsetzt mit psychadelischen Breaks, gewaltigen Unisono-Teilen und Gitarren-Hall-Arbeit zwischen Manuel Göttsching und The Edge. Selbstverständlich alles instrumental.

Obwohl unstreitig tanzbar ist, was das Quartett zusammenrockt - auf eine Tanzfläche gehört es nur bedingt. Zu sehr verleiten die scheinbar monotonen und sich nur langsam aufbauenden Sechs- bis Zehnminüter zum Hinhören. Und einmal dabei, entwickeln die dann doch erstaunlich komplexen Machwerke einen fast schon unheimlichen Sog. Egal, in welcher Hörsituation, die vorherrschende Wahrnehmung ist Motorik, Dynamik, Bewegung. Praktisch in Reinform zelebrieren Maserati dieses, ihnen ureigene Charakteristikum auf den ersten beiden Tracks des Albums, "San Angeles" und "Martin Rev". Von der Brücke, die hier zwischen analoger Rock-Musik und digital prozessierten Elektronik-Elementen geschlagen wird, könnten auch Tortoise winken. Wenn da nur nicht dieser unabdingbare Vorwärtsdrang wäre, der von Maserati ausgeht und die Band damit eher zu Klangnachbarn von !!! und The Phenomenal Handclap Band macht.

Aus dem sonst vorherrschenden Muster auszubrechen, erlauben sich nur zwei der insgesamt neun Tracks auf "Maserati VII". Da wäre zum Einen "Flashback", ein nur zweieinhalb Minuten währendes Anschwellen, das aber so richtig nicht vom Fleck kommt und ganz hervorragend zu einer Detroit-Doku passen würde. Und zum Anderen das stark ambientige "Lunar Drift" – Klänge, die einem eine Ahnung davon verschaffen, was Felix Baumgartner durch den Kopf ging – während des Sprungs.

"Maserati VII" ist ein fettes Stück Album. Eigenständig, selbstsicher und gleichzeitig erfolgreich bemüht um den Anschluss an das musikalische Vermächtnis der gebeutelten Band aus R.E.M.-hausen. Des Autors Liebling ist "Abracadabracab" – ein sonischer Gewaltmarsch von 10 Minuten Länge.  Trance-ig wie Border Community, verspult wie Daniele Baldelli und Brachialo-Gitarren-Riffs wie von Koze für Speicher. Damit wird sogar ein Lada zu einem Straßen-Kreuzer.

photo: @munchkinhead

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