Möbel zum Hören – „Sandopolis“ von Hashman Deejay

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Apple, Beck, Dweezil und Moon Unit sind wahrlich abenteuerliche Namen. Keiner aber toppt Hashman. Ob das us-amerikanische Namensrecht überhaupt irgendwelche Regeln kennt? – Wie auch immer. Relevant ist ja vor allem, dass der Deejay Hashman mit "Sandopolis" sein Debüt in Albumlänge vorlegt.

Hashman Deejay
Sandopolis
Future Times
9. Dezember 2014
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Hashman wird zur Mood Hut Posse gezählt. Das lose Kollektiv aus Vancouver, zu dem u.a. Cloudface, Aquarian Foundation, Pender Street Peppers und – na, klar, was sonst – Bluntman Deejay gehören, lässt Kenner seit ca. zwei Jahren aufhorchen. Was unter anderem auch daran liegt, dass sich die (weniger) Damen und (viel mehr) Herren aus Vancouver sowohl in punkto Sound-Design als auch die Produktionsästhetik betreffend an der Vergangenheit orientieren: Aufgeräumte, klassische House-Tunes, bei denen sich die übersichtlich angeordneten rhythmischen Elemente mit ihren ebenso luzide arrangierten melodisch-harmonischen Counterparts auf ein gemeinsames Weniger-Ist-Mehr geeinigt haben. 

Wirklich beeindruckend daran ist, dass sich dabei weder die Mood Hut Posse im Allgemeinen noch Hashman Deejay im Speziellen den Reaktionär-Schuh anziehen muss. Die Klassizität des Klangerbes, in dessen Tradition sie unweigerlich stehen, mag eine heilige Kuh sein – schlachten tun sie die dennoch. Wenn’s denn sein muss. Mit dieser Einstellung stilisieren sich Hashman und die anderen Mood Hut-ler zu Brüdern im Geiste von ähnlich modern denkenden (und entsprechend produzierenden) Traditionalisten wie Axel Boman, Baba Stiltz und Dorisburg. Sie alle eint die Überzeugung, dass der funktionale Zuschnitt ihrer Musik durch ein simples Mehr-Wär'-Weniger – ein klangtechnisches Understatement quasi – nur noch besser zur Geltung kommt. Ob Muzak oder Klangtapete, ob Berieselung oder Hintergrundgetüdel – diese oft wenig schmeichelhafte Charakterisierung verfängt hier nicht. Hashman Deejays Musik will nicht gefallen. Sie will nur nicht auffallen. Und genau darin liegt ihr Sog, ihre Anziehungskraft, ihre unaufdringliche Wirkmächtigkeit.

Das Fehlen jedweder klanglichen Divenhaftigkeit in Form von Vocal-House-Schnipseln, Breaks von der Größe eines Flugzeugträgers und klischeesierten Bass-Rein-Raus-Dramaturgien zu Gunsten eines Flusses, der sich eben keines vorgefertigten Laufes bedient – das unterscheidet "Sandopolis" wohltuend von jeder elektromusikalischen Massenware. Am besten, deutlichsten und nachhaltigsten zu hören auf den beiden Standout-Tracks des Albums, "Xssential-3" und "Mozaic" – 20 Minuten Unendlich-House, die in keiner Jahresbestenliste fehlen sollten.

 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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