Sattelfester Songwriter – „Most Beautiful Song“ von Martin Gallop

Martin Gallop

In den 1980er Jahren nach Deutschland, in die damalige Bundesrepublik, emigrieren? Der sexuellen Freizügigkeit wegen? Und in Oldenburg glücklich werden? Martin Gallop weiß, wovon er spricht. Und singt. Nachzuhören auf dem neuen Album des Chef-Melancholikers "Most Beautiful Song".

Martin Gallop
Most Beautiful Song
ferryhouse productions / Warner
4. Oktober 2013
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Sollte es im so genannten Musikbusiness überhaupt so etwas geben wie Normalität, darf Martin Gallop für sich und seinen Werdegang geltend machen, erheblich davon abzuweichen. Als es den gebürtigen Kanadier Anfang der 1980er in die deutsche Provinz verschlug, konnte niemand ahnen, dass bis zur Veröffentlichung seines Debüt-Albums unter eigenem Namen fast 20 Jahre vergehen würden. Gallop am allerwenigsten. Frei nach der Devise, sich Ziele zu setzen ist wichtiger als diese zu erreichen, wurde er trotzdem heimisch. Und Kanada sei eigentlich schon lange kein wirkliches Thema mehr, wie er im JOINMUSIC Interview verriet. Dass "Most Beautiful Song" trotzdem so gar nicht nach irgendetwas zwischen Passau und Rügen klingt, hat indes andere Gründe. Nashville, Hank Williams und die unendlichen Weiten südlich des Bible-Belts waren die Leuchttürme, die Gallop auf seinem aktuellen Album den Weg wiesen.

So gesehen ist "Most Beautiful Song" die logische Fortsetzung und konsequente Weiterentwicklung seines letzten Albums "Strange Place Called Home". Von einigen wenige Ausnahmen abgesehen ("Missing Trains" und "Stuck On You") fokussiert sich Gallop ganz auf den Song und die Geschichte, die er erzählen soll. Das Arrangement, die Instrumentierung spielen eine regelrecht untergeordnete Rolle. Auch auf die Gefahr hin, dass der Vergleich nicht trägt: In Gallops Fall sind sie wie Breitreifen oder Ralleystreifen – Tuning eben.; schön, aber nicht essentiell. Im Vordergrund steht stattdessen die Einheit von Melodie, Text und harmonischen Verhältnissen. Selten hat sich diese Einheit so rund angefühlt bzw. angehört wie auf "Annabelle" oder auch "Thinking Big".

Mit diesem reduktiven Ansatz (Bis man nichts mehr weglassen kann) scheint Gallop einem Kollegen wie DJ Koze in songwriting-technischer Hinsicht wesentlich näher zu sein als Ray LaMontagne oder Foy Vance, die von rechts wegen als Genre-Nachbarn fungieren sollten. Die Intimität, die Gallop mit seinen Song-Perlen und melodischen Kleinoden, heraufbeschwört, wiederum, lässt sich mit keinem Maschinen-Beat der Welt herstellen. "Something To Cry About" und auch der Titelsong "Most Beautiful Song" können diesen Umstand klingender Weise besser erklären, als es sich hier liest. Dass der wohl wichtigste klangtechnische Schlüssel Gallops gänsehäutig-beruhigende Großonkel-Stimme ist, darf natürlich nicht unter den Tisch gekehrt werden. Insofern gelingt dem Mann mit den ernsten Augen auf "Most Beautiful Song", woran nicht wenige ihre ganze Karriere über scheitern: Zu beweisen, dass sie die besten Interpreten ihrer eigenen Songs sind.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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