Musikalischer Grüffelo – „Bärenmann“ von Bergen

bergen

Bergen ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Norwegens. Bergen ist auch eine von drei Hauptaufgaben der Feuerwehr. Mit dem Akkusativ der Mehrzahl von Berge gäbe es dann immerhin schon drei gute Gründe für den Bandnamen des sächsischen Septetts. Dabei wäre jeder andere vermutlich ebenso gut. Außer bei Pullermann sollte man ein Album nie nach dem Namen der Interpreten beurteilen.


Bergen
Bärenmann

 

K&F Records / Broken Silence
08. Januar 2013

7 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Mit dem Namen dieses Albums verhält es sich möglicherweise anders. Immerhin enthält "Bärenmann" gleich zwei Songs desselben Titels. Ob "Bärenmann II" absichtlich so mehrdeutig gehalten wurde, dass man es für einen Cro-Jahresrückblick 2012 halten könnte, vermag der Autor nicht letztgültig zu klären. "Bärenmann I" jedenfalls ist eine großartige Paria-Hymne, voll hoffnungsvoller Wehmut. Wenn Neli Mothes Einsatz als Zweit-Stimme beginnt, möchte man, dass der Track nie aufhört.

Überhaupt: immer, wenn das Huhn im Korb den Hauptvokalisten Mario Cetti doppelt, bleibt atmosphärentechnisch kaum ein Stein auf dem anderen. Ansonsten setzten sich Bergen klaglich voller Absicht zwischen Baum und Borke. Denn eigentlich wäre das Ensemble zu ganz anderen, volleren, druckreicheren Klängen in der Lage. Tatsächlich angetan gewesen aber scheinen sie von der Idee, die Nische zwischen Calexico und Lambchop zu besetzen (gut nachzuhören auf ("Wie ist das bei Dir?" und "Iona"). Logisch, dass sie damit automatisch Assoziationen zu anderen deutschsprachigen experimental-poppigen Leisetretern hervorrufen. Ob "Haut aus Orange" (Element of Crime), „Schwierige Zeiten“ (Fink) oder "Rennen" (Kante zu "Zombie"-Zeiten) etc. Dass ihr Produzent Ekki Maas, dessen Meisterleistung vor allem darin bestand, sich so gut es geht rauszuhalten, hauptamtlich als Bassist der Erdmöbel agiert, passt ins Bild wie Sonnenblumen bei van Gogh.

Auch wenn die Musik wichtig und das Ensemble-Spiel elementar ist – sie stünden ohne die Texte Neli Mothes und Mario Cettis kaum halb so gut da. Andersherum gilt das nicht. Und genau das zeigt, wie es um das Kräfteverhältnis zwischen Klang und Aussagekraft bestellt ist. Gelingt es der Formation, den teilweise laienhaften Charme und den Mut zur unfertigen Lücke zu überwinden, sich mit ausgefeilteren Arrangements und komplexeren Zusammenspiel anzufreunden, dann lassen sich schon mit der nächsten Platte garantiert Bergen versetzen.

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.