Muster gültig – „Body Pressure“ von Pttrns

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Nach MGMT, SBTRKT und MSTRKRFT hat es auch die inzwischen vier Kölner von Pttrns getroffen: Was genau es mit dem akuten Vokalschwund auf sich hat, darüber können nicht einmal die Betroffenen selber Auskunft geben. Dass einem beim Hören ihres aktuellen Albums "Body Pressure" nicht nur die Vokale, sondern ganze Worte fehlen, ist eine andere Sache.

Pttrns
Body Pressure
Altin Village and Mine / Indigo
12. März 2013
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Mit dieser postavantgardistischen Schreibweisenmode hat die Sprachlosigkeit des Autors allerdings nichts zu tun. Dafür verantwortlich ist der nicht nur in musikalischer Hinsicht bravouröse Parforce-Ritt quer durch die Genre-Tundra. Auf insgesamt acht Tracks, die selbstverständlich entweder zu lang, zu fordernd oder schlicht zu kurz für’s Radio sind, qualifizieren sich Benjamin Riedl, Daniel Mertens, Hendrik Frese und Patrick Hohlweck als prototypisch für den "Musician’s Musician" Eintrag bei Wikipedia.

"Healing" beginnt wie Laid Back’s "Bakerman", mit dem Einsatz der Kartoffelstampfer-Kickdrum sowie des Bass-Kuhglockengemischs aber werden Assoziation von The Rapture bis !!! unvermeidlich. Und wenn es dann bei 03:40 min alles andere als "Quiet" wird, schleichen sich Érinnerungen an Maserati unter den Neo-Cortex. Das Kick- und Snare-Drum lose "Dialed In" wiederum klingt nach Omar-S im Band-Proberaum, während "Strong Talk" auch auf einem D.V.A.S.-Album hätte enthalten sein können. Und damit ähnlich passend wäre, wie "Major Nature" auf Major Lazer oder sonst einem Diplo-Projekt bzw. "Dice" in einer Coverversion von den Dirty Projectors und Tony Allen am Schlagzeug. Warum es von "Unresolved" noch keinen James Blake und/oder Baauer Remix gibt, darf man genauso in den Raum stellen wie die Behauptung, dass das, was bei "Resonate" neben den rollenden Tom-Fills am meisten resoniert, der Teutonen-Akzent ist.

Obwohl der Vokal-Einsatz schon weiter oben Thema war, kommt der Autor nicht umhin, auf die stimmlichen Besonderheiten von Pttrns' "Body Pressure" hinzuweisen. Schließlich ist Kopfstimmen-Alarm nicht wie Nutella – für jeden was. Schon gar nicht, wenn man dabei ähnlich unwirklich bzw extra-terrestrisch klingt wie Everything Everything. Gut ist: wo die Engländer dem Rock mit Mathematik und Geometrie beikommen, geht es für Pttrns in aller Regel um den Groove. Und wenn doch nicht, dann heißt es bei den Musikern (vielleicht nicht ganz ironielos): "Als die textlich bislang politischste Platte der Band beschäftigt sich Body Pressure (ein Reflex von Bruce Nauman’s Arbeit gleichen Namens) mit der Beziehung zwischen Intimität, sexueller Selbstbestimmung und deren Repräsentationen." Ja, gut. Wenn der Waschzettel das Einzige bleibt, was es an einer Neuerscheinung zu kritisieren gibt, dann hat die Band doch alles richtig gemacht. Feine Platte!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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