Sax.Macht.Schön. – „Mysterium Magnum“ von Jimi Tenor & UMO

Jimi Estudio

Nomen est omen: Dass der als Lassi Osmo Tapio Lehto geborene Jimi "Warum Eigentlich Nicht Bariton" Tenor noch mal ein Bläser-Big Band Album machen würde, stand wohl schon immer fest. Inzwischen hat sich auch die Frage nach dem "Wann" erledigt: "Mysterium Magnum" ist ab sofort käuflich erhältlich.

Jimi Tenor & UMO
Mysterium Magnum
Herakles / Rough Trade
04. September 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

So sensationell diese Nachricht zunächst auch klingen mag: Der langjährige Konservatoriums-Schüler hat jede Menge Erfahrung mit großen Klangkörpern. Sein "Out Of Nowhere"-Meisterwerk, auf dem er das Theater-Orchester Lodz anführt, ist dafür hinreichender Beweis. 16 Jahre nach dieser Großtat, wagt der Exzentrische-Brillen-Träger erneut, mit einem ganzen Musiker-Regiment in die Schlacht zu ziehen.

Bei aller historischen Fadenspinnerei, waren die Voraussetzungen bei "Mysterium Magnum" dennoch slightly different. Das UMO (nein, nicht das Unknown Mortal Orchestra) ist trotz seines Namens (Uuden Musiikin Orkesteri) eher Big Band denn klassisches Orchester. Streicher-Teppiche, Fagott-Orgien oder Harfen-Soli sucht man bei der finnischen National-Institution vergeblich. Gleiches gilt für Vokal-Stimmen. Dafür lassen es jede Menge Blech- und Holzbläser instrumental umso heftiger krachen. Tenor selber steuert ein paar Soli bei, mal auf der Querflöte ("Koneen Sydän")  mal auf einem obskuren russischen Synthesizer namens Ritm-2 ("Blue Ural" & "Selvänäkijä"), dürfte sich als alleiniger Komponist und Arrangeur aber vor allem um das Große Ganze und den Rahmen darum herum konzentriert haben.

Woran sich Tenor dabei hauptsächlich orientiert hat, wird schnell deutlich: Die blaue Stunde der Big Band Ära. Jene Zeit zwischen grob 1965 und 1975, in denen Big Bands schon längst kein Licht mehr am Ende des Tunnels sahen, aber nach dem Motto Jetzt-Erst-Recht musikalisch noch einmal alles in die Wagschale warfen. Das Flirten mit sonst nur im Rock und Pop gebräuchlichen Rhythmus-Mustern ("Kratera", "Koneen Sydän", "Kollaasi") gehörte ebenso dazu, wie der Einsatz von expressiven tonmalerischen Mitteln aus der so genannten Neuen Musik ("Mysticum Minus", "I Was There", "Sähköinen Laji"). Heraus kam mitunter ganz ganz Großes: Von Don Ellis über David Axelrod bis hin zu Johnny Pate. Ob absichtsvoll oder nicht, zollen Tenor und Co ihrem Vermächtnis Tribut. Aber nicht nur ihnen. Dass klassischer angelegte Kompositionen wie "Ghost Warrior" und "Selvänäkijä" nicht aus dem Rahmen fallen, hat dann auch eher mit einem anderen Strang der Big Band Tradition zu tun; einer, der mit den Namen Michel Legrand, Peter Herbolzheimer und Ivan Jullien steht und fällt.

Fraglos hat Tenor mit seiner zweiten Orchester-Platte einmal mehr ein glückliches Händchen bewiesen. Musikologisch mag "Mysterium Magnum" im Vergleich zu "Out Of Nowhere" gar als noch größerer, weil gewagterer Wurf eingestuft werden. Was das für das viel beschworene Hörvergnügen bedeutet? – Jeder erneute Durchgang fordert. Und wie bei jeder Expedition gilt eben auch für dieses akustische Abenteuer: Es ist so aufregend, wie es anstrengend ist. Vielleicht hätte ein Mü weniger Ereignisdichte dem Ganzen gut getan. Aber wer bin ich schon. Wenn zu viel los ist, liegts wohl nur an der Dosis. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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