Nach der Impro ist vor dem PostPostRock – „Bucket Of Songs“ von Labfield

labField

Das dritte Album für Labfield, das zweite davon in Folge auf dem in der norwegischen Jazz- und Improv-Szene verwurzelten Label Hubro Music. Also alles wie immer für David Stackenäs, Giuseppe Ielasi und Ingar Zach, die sich zusammen hinter dem Pseudonym Labfield verbergen? 

Labfield
Bucket Of Songs
Grappa / Hubro
6. Februar 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Ganz und gar nicht, denn mit ihrem "Bucket Of Songs" machen Labfield einen entscheidenden Schritt weg von ihrem bisher vorwiegend soundscapehaften Ansatz hin zu - der Titel verrät es – echten, tatsächlichen, wenn auch nach wie vor improvisierten Songstrukturen mit Post- und PostPostRock-verwandtem Gestus, die sich dank der zarten, zuweilen zerbrechlich wispernden Vocals von Gastsängerin Mariam Wallentin wie in "Page 55" sogar in Richtung irisierend-experimentellen PostPunk wenden, während die "Temporary Reasons" in bestimmten  Stimmungslagen als hypernervöse Variante von Jose Gonzales auf Speed durchgehen und somit, trotz angenehmer Einzelklänge, in ihrer Gesamtheit bei unvorbereiteten Konsumenten ähnliche Unruhe wie unmedikamentierte ADHS auslösen.

Im Gegensatz dazu verbeitet der Titelsong "Bucket Of Songs" mit seiner Fusion aus zäh fliessenden Gitarrenchords und Oberflächenrauschen eine nahezu kontemplative Stimmung wie ein sonniger Sommertag. Drone-lastig und alarmierend summend wie mehrfachbestachelte Weltraumwespen wirkt der "Intensive Course In Bad Manners", "The Boy Who Never Remembered To Forget" schlägt meditativ an Klangschalen und zupft mit orientalischer Gleichmut kurz gehaltene Saiten in verschobenen Mustern, die auch ihren Weg in die, dem Titel gerecht durchaus melancholische, Rock- / Improv- / Jazz-Interpretation "Straight A's In Constant Sorrow" finden, deren in Zeitlupe rollende Snarewirbel in ihrer verdichteten Spannung nicht zu Unrecht an Klapperschlangen und die ItaloWestern-Scores des Grossmeisters Morricone erinnern.

Mehr Spannung und erneut faszinierende, am Wahnhaften nur knapp vorbeischrammende Vocals von Mariam Wallentin bringt "Members Crossed", das wohl zweifelsohne als intensivstes Stück auf "A Bucket Of Songs" gelten darf, bevor sich nach nicht einmal vierzig Minuten Laufzeit mit dem Schlusstitel "Last Passacaglia" kribbelnde Cowbell-Nervosität mit Slow Motion-Rock und ätherisch schwebendem Gesang zu einer irritierenden Melange vermischt, die auf wundersame Weise and Gilli Smith of Mother Gong's 1993er Album „Every Witches Way“ erinnert – ein Album, welches in seiner Verschrobenheit durchaus nicht zu den zugänglichsten Werken der jüngeren Musikgeschichte zählt und sich – im wahrsten Sinne des Wortes - erhört werden muss. 

Doch gerade diese Zugangshürde ist es, die in Teilen den Reiz des aktuellen Labfield-Werkes ausmacht, daher gibt es gute 7 von 10 Punkte.

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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