Naturburschen und Musik – „You Can Have All The Wonders“ von From Kid

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"You Can Have All The Wonders" – das klingt doch mal nach einem Albumtitel, der viel erhoffen lässt. Die Erwartungen sind geweckt an das Debütalbum von Andrin Berchtold und Gian Reto Camenisch aus der Schweiz, das bärtige Duo, das sich From Kid nennt.

From Kid
You Can Have All The Wonders
Sonic Service / popup-records
30. Januar 2015
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Den Anfang macht "Applause" (beim ersten Song wird also schon mit Beifall gerechnet), ein mystisch-düsterer Synthie-Popsong mit langem, vielleicht etwas zu langem Aufbau. Danach schließt sich nahtlos "Need Of Our Skin" an, das zwar etwas weniger düster, aber genauso mystisch klingt und damit den Sound-Charakter der Band recht gut beschreibt. Gitarrist Andrin und Synthie-Experte Gian leben in einem alten Bauernhaus am Stadtrand von Chur und dieses ländliche, etwas zurückgezogene Leben hört man den Songs auf "You Can Have All The Wonders" auch durchaus an, wenngleich die Klänge für dieses Naturleben teilweise etwas zu elektronisch-modern sind. Die Ideen für die Songs entstehen auf Reisen, in der Natur und in der Nacht, wobei man Letzteres dem Album mit dieser gewissen Mystik auf alle Fälle am meisten anhört. Referenzen gibt es unter anderem zu Fink, Tom Odell und alt-J. Ja, eine gewisse Singer/Songwriter-Mystik von Fink ist sicherlich erkennbar und auch das Alternative-Elektro-Etwas von alt-J, aber die Rezensentin glaubt viel mehr eine Referenz wie a-ha (vor allem bei "Come In") zu hören. Dieser Achtziger-Hall, das ist weniger Fink oder alt-J, als mehr ein Erkennungsmerkmal einer Band aus Norwegen.

In "Itself" kommt dann eine beeindruckende Stärke der Band ans Tageslicht – ihre beiden Stimmen harmonisieren einfach ganz wunderbar. Es entsteht eine melancholische Stimmung mit diesem einen Funken Hoffnung und eine natürlich Wärme, ganz so, als sei der Song in der Natur, irgendwo in den Schweizer Bergen und Wäldern, entstanden. Dann wieder ein harter Cut mit dem Übergang zu dem sehr elektronisch-programmierten, Beat-lastigen "This Is All". Wäre der Song tanzbarer, wäre es eine schöne Abwechslung, so aber wirkt es etwas holprig. Das verträumte "Wonders" zum Album-Bergfest macht seinem Namen alle Ehre und lädt zum Gedanken-Abschweif und zur Wunder-Träumerei ein – ist dabei aber sehr poppig und weniger atmosphärisch als das daran anschließende, ruhige "Water Flows". Bei "Colors", der ersten Single des Duos, überrascht ein wenig der Anfang: sehr weit hergeholt, aber ist das nicht der Gitarreneinstieg von Chapmans "Fast Car"? Vielleicht überzeugt der Song deshalb, aber auch wegen des Beats und dem Gesang. "Closing Scene" ist in der Tat sehr abschließend, sehr beruhigend und man könnte für einen Moment glauben, das Album sei an dieser Stelle zu Ende. Der Song wäre ein runder, ein schöner, gelassener Abschluss. Nur das Album, das wäre etwas kurz. Also geht's mit "Waltz" weiter. Und der ist wirklich schön, mit seinem ¾-Getakte des Pianos und mit dem sehr harmonisierenden Gesang. Mit "Dead Ends" kommt dann also wirklich ein Finale. Nicht so schön wie "Closing Scene", aber dennoch passend, verträumt, melancholisch.  

Insgesamt kann man sich gut mal durch das Album und die Singer/Songwriter-Folk-Melodien und Elektropop-Beats durchhören, man kann mal zur Ruhe kommen und entspannt durchatmen. Man kann auch die Botschaft, den Aufruf zu mehr Besinnung und den Appell an die Menschlichkeit, verinnerlichen. Man kann nur leider kein rundum großartiges Album hören, dafür gibt es zu viele Aufs und Abs und keine gerade, zufriedenstellende Linie. Aber vielleicht verbringt das Duo ja demnächst noch mehr Zeit in der Natur und in dem Bauernhaus und es werden noch mehr Songs geschrieben, die dann vielleicht noch einen Ticken besser sind. Man kann ja ruhig an Wunder glauben.

Foto: Yanik Buerkli

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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