Neue Fronten – „Dear Miss Lonelyhearts“ von Cold War Kids

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Nur wenigen Sängern ist vergönnt, was Nathan Willett wie selbstverständlich von den Stimmbändern geht – unmittelbare Wiedererkennung. Und weil es sich dabei durchaus um ein zweischneidiges Schwert handelt, ist es gut, dass der Frontmann der Cold War Kids genau weiß, wie man diesen Segen nutzt, ohne dabei dem Fluch auf den Leim zu gehen. Daran ändert sich auch beim neuen Album "Dear Miss Lonelyhearts" nichts.


Cold War Kids
 Dear Miss Lonelyhearts

 

Cooperative Music / Universal
5. April 2013

7 / 10

Erhältlich bei:
Amazon | iTunes | Musicload


Obwohl es wahrlich keine Neuheit ist, dass Willetts Stimmgewalt als Ariadne-Faden im musikalischen Labyrinth der Cold War Kids fungiert, kommt diesem Fels in der Brandung auf "Dear Miss Lonelyhearts" mehr Bedeutung zu denn je. Einmal mehr hat sich die Perspektive, aus der die Kalifornier an der Schnittstelle zwischen erdigem Blues, rockendem Soul und schepprigem Indie laborieren, gewandelt. Noch immer dengeln die Gitarren geräuschhaft und zeigen sich voller Sehnsucht nach geordneten Chris Isaak-Verhältnissen; noch immer sind die Toms des Schlagzeugers liebstes Kind und noch immer erklingt da dieser Klimperkasten, den man spätestens seit "Hospital Beds" ins Hörer-Herz geschlossen hatte.

Und dennoch: ohne Willett am Mikro hätten Coldplay "Water & Power" als das ihre ausgegeben, wäre "Lost That Easy" an Alex Clare und Diplo gefallen und "Loner Phase" auf dem letzen Hercules and Love Affair Album gelandet. Die Tendenz, die sich mit diesen Vergleichen ganz klar abzeichnet, lässt sich mit dem Zauberwörtchen "Elektronisierung" wohl am ehesten zusammenfassen. Als hätten Willett und Co. bis zum Abwinken Alt-J, Delphic und Everything Everything gehört. So befremdlich das in der Hör-Premiere zunächst wirken mag, so erstaunlich einheitlich klingt es dann doch auf Album-Länge und im Kontext der anderen, schon eher als typisch zu bezeichnenden Songs.

Wo gerade von typisch die Rede ist – sowohl mit dem Titelstück, als auch mit "Fear and Trembling" und "Bitter Poem" arbeiten sich die Kinder des kalten Krieges an einigermaßen bekannte Fronten ab: 21st Century Blues, der am Besten in Slow-Mo-Cabrio-Clips zur Geltung kommt. Wer übrigens bei "Tuxedos" nicht wenigstens ganz kurz an John Lennon denkt, muss sich dringend die Füße waschen. Dass der Autor die Nummer zusammen mit dem Mid-Tempo-Kracher "Jailbirds" für die stärksten auf dem Album hält, hat damit aber nichts zu tun.

photo: Cara Robbins

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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