New York, Moskau, Tokyo – „Outfit Of The Day“ von Möscow Club

moscow club

Moskau mit Umlaut, der Gesang auf Englisch und der Sound eine einzige Reminiszenz an die fortschrittliche Popmusik der frühen 1980er Jahre? - Das kann ja nur eine Band aus Tokyo sein. So sehr diese Schlussfolgerung auch an den Haaren herbeigezogen ist – (noch) - mit Möscow Clubs aktuellem Album "Outfit Of The Day" könnte sich einiges ändern.

Möscow Club
Outfit Of The Day
Fastcut / Möscow Club
30. September 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Bandcamp

The Rah-Band, Swing Out Sister, Matt Bianco, aber auch Spandau Ballet, Style Council und Hong Kong Syndikat – alles Pfeiler, zwischen denen das Quartett aus Tokyo seinen ganz eigenen Soundteppich webt. Sie selber haben den Band-Klang Nerdwave getauft. Den 1980er-Jahre-Bezug muss man sich erhören. Und die offenkundig zeitgeistige bzw. –gemäße Produktion ausblenden. Dann aber ist die Hommage an eine sehr spezielle Entwicklungsphase der modernen Popmusik unverkennbar. Und das eben nicht nur bei den Album-Krachern wie der Single "Celine", dem "Ivy League"-Gedenk-Track oder der viervierteligen Verbeugung vor Joe Jackson namens "Loewe".

Einmal mehr zeigt sich, dass die Meisterprüfung in Sachen Aneignung und Appropriation nicht von allen gleich souverän bestanden wird. Während deutsche Diesel-Fahrzeug-Produzenten an klar definierten Umweltnormen scheitern, bestehen japanische 80ies-Sound-Produzenten die Klausur mit summa cum laude. Und das, obwohl 80ies-Sound sehr viel vager definiert ist...

Umso erstaunlicher ist das alles vor dem Hintergrund, dass "Outfit of The Day" Möscow Clubs - man muss das so sagen - zweites Debüt-Album ist. Ein Album, das zwei Jahre nach ihrer Quasi-Fast-Auflösung veröffentlicht wurde und das nur, weil Möscow Clubs Stalin, Kazuro Matsubara, unter äußerst unwahrscheinlichen und deshalb umso zufälligeren Umständen das frühen Ende der Band abwenden konnte: Als er nämlich von einer Tokyoter Metro-Klangtapete inspiriert feststellte, dass da doch noch Musik in ihm war, die rausmusste. Ob die Geschichte stimmt oder nicht: Was auch immer da rausmusste, kann sich hören lassen. Das gilt sogar für den abwegigsten Track des Albums: "Tour De Moscow". Im Intro der Pentatonik, im Titel Kraftwerk und über die restlichen knapp fünf Minuten Giorgio Moroder, Telex und den Pet Shop Boys zu gleichen Teilen huldigend, zeigt sich auch bei diesem Instrumental-Ausreißer, wie mühelos die vier aus Tokyo von einem Pop-Idiom ins andere wechseln können. Beeindruckend.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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