Nicht nur für Warmduscher – „Blue Lagoon Soundtrack 3“ von Margeir

margeir

Blaue Lagunen finden sich beinahe überall. Ob als Cocktail, auf Malta oder in Sambia. Es gibt sogar eine blaue Lagune mit Brooke Shields. Beinahe hätte es eine mit Leonardo Di Caprio gegeben. Die hieß dann aber "The Beach". Das Wichtige ist: Keine dieser Lagunen kann es mit jener aufnehmen, um die es hier geht. The Blue Lagoon ist die bekannteste Touristen-Attraktion Islands und auch bei Einheimischen nicht unbeliebt. Wie sehr, zeigt sich nirgendwo deutlicher als bei der bereits vor zwölf Jahren eingetüteten Kooperation zwischen den Betreibern des Thermal-Freibades und einem der populärsten DJs Islands, Margeir Ingólfsson. Mit dem "Blue Lagoon Soundtrack 3" geht das Mixen & Badenixen-Konzept in die nächste Runde.

Various Artists
Blue Lagoon Soundtrack 3
Hfn Music / Rough Trade
13. Juni 2018
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Nach dem Motto Never Change A Winning Team bleibt auch auf Folge drei der beliebten Mix-Compilation Serie alles beim Alten. Konkret heißt das: Maximale Listening-Relaxation ohne jeden Firlefanz, Trommelfell-Massagen am laufenden Band und nichts, aber auch nichts, das stört – und das möchte der Autor als Kompliment verstanden wissen. Der Klangfaden, den Margeir über insgesamt zwei CDs spannt, ist ein Musterbeispiel für angenehm unaufgeregte und nicht zuletzt deswegen deswegen geschmackvolle Klangtapete. Aber von vorn.

Margeir beginnt den Mix mit – ich hasse dieses Wort, aber hier passt es – chilligen Klängen seines Landsmannes Ásgeir. Irgendwo zwischen Portishead, Jay-Jay Johanson und Smoke City, geht das auf Isländisch gesungene "Heimförin" elegant in die nächsten paar Downtempo-Chill-Daze Tracks über, bis mit Recondites "Tie In" erstmals einer durchgehenden Bassdrum gefrönt wird. Problem: Der Übergang zwischen Mikael Simpson und Recondite ist harmonisch gesehen ein Desaster, das zum Glück nicht allzu lange andauert. Nach einem erneuten Break, das Tuxedomoons "In A Manner Of Speaking" gekonnt in den Hörvordergrund platziert, gewinnt der Mix an Zug und macht deutlich, wohin die Reise geht: Tanzflur. Aus Sicht des Autors besonders herurzuheben: "Morning Mountain" von Essáy.

Der Mix auf CD #2 unterscheidet sich nicht nur vom musikalischen Gehalt, sondern auch durch die schlichte Tatsache, dass Margeir hier mit seinem GusGus-Kumpel President Bongo gemeinsame Sache macht. Als Gluteus Maximus haben sich die beiden längst einen Ruf erarbeitet, den sie mit der Selektion auf dem zweiten Teils des "Blue Lagoon Soundtrack 3" erneut unter Beweis stellen. Luomos "Tessio", der Eröffnungstrack beispielsweise, steht paradigmatisch für Gluteus Maximus' DJ Konzept – an  der Schnittstelle zwischen souligem Optimismus, digitalem Fortschrittsglauben und Hedonismus mit Köpfchen ist die groove-garantierende 4-2-The-Floor Bassdrum zwar essentiell, bei weitem aber nicht so wichtig wie es das Klischee vorgibt. Kein Wunder, dass der Bruder im Geiste, DJ Koze, sowohl mit einem eigenen Track als auch mit einer Remix-Arbeit für den ebenfalls im Bereich des Alternative-Elektro werkelnden Matthew Herbert vertreten ist. Die elegant-stimmige Zusammenstellung wird lediglich von Raz Ohara durcheinander gewirbelt, dessen "True Love Will Find You In The End" allerdings derart gekonnt als Ausreißer funktioniert, dass es schon wieder kaum besser passen könnte.

Musik-kuratorisch kann von sich selbst übertroffen längst nicht die Rede sein – einen richtigen guten Job hat Margeir trotzdem gemacht. Ob genau dieses Set allerdings im warmen Wasser der Blauen Lagune Hörer, Tänzer und Schwimmer gleichermaßen glücklich machen würde, darf bezweifelt. Der Mix bleibt ein Hör- und weniger ein Tanzvergnügen.  

Foto: Eyþór Árnason

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