Nicht Nur Jesus Is Beside Himself – „Poison Season“ von Destroyer

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Was für ein Name?! Und eigentlich perfekt geeignet, um mit Cancer, Death und Slayer auf der Hauptbühne eines Wacken-ähnlichen Events das Line-Up zu komplettieren. Allein musikalisch dürfte das nichts werden. Mit dem auf fast allen Songs des neuen Destroyer Albums "Poison Season" vertretenen Streicher-Ensemble erst recht nicht.

Destroyer
Poison Season
Dead Oceans / Cargo Records
28. August 2015
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Über den zumindest bezogen auf die Musik doch recht martialischen Namen wird Dan Bejar, dessen Kopfkind die Formation Destroyer ist, angesprochen, seit er Destroyer 1996 auf die Beine stellte. Sei’s drum: Denn 20 Jahre später kann man mit diesem Schenkelklopfer noch immer Besprechungen beginnen ...

"Poison Season" ist Bejars – je nach Zählweise - elftes Studio-Album. Und zumindest eines steht fest: Es dürfte das wohl bislang aufwändigste bzw. teuerste gewesen sein. Aufgenommen mit einer vollumfänglichen Live-Band, inklusive Bläsern und Streichern, die sich wohl kaum selbst arrangiert haben dürften, fällt dem Autoren vor allem das Wörtchen opulent ein. Das gilt auch für das ausladende Sound-Design: Sauber zwar, aber weit entfernt von klinisch rein. Und damit in großer Nähe zu Till Brönners 2012er Tribute To CTI-Album "Till Brönner". Angesichts von Kompositionen wie "Solace’s Bride" oder auch dem darauf folgenden "Bangkok" ist die Big Band-Assoziation tragfähiger als sie zunächst den Eindruck macht.

Wobei: Big Band trifft es nicht wirklich. Da scheint der Begriff Soundtrack-Orchester sogar noch naheliegender. Die grandiose cineastische Anlage der Songs auf "Poison Season" und das Kopf-Kino, das sie evozieren, sind nachhaltig beeindruckend. Damit sind keineswegs nur die breitbild-formatigen Epen wie "Girl In The Sling" und "The River" gemeint, die so fehl am Platze auch auf Mockys neuem Album "Keychange" nicht gewesen wären. Nein: Mit den percussion-lastigen "Forces From Above" und erst recht mit der Groove-Nummer "Midnight Meets The Rain" ließen sich auch Schnitt intensive Verfolgungsjagden vertonen. Und mit den beiden Gewinner-Songs des Albums, dem Style Council-igem Opener "Dream Lover" und der dritten Single "Times Square" bietet Bejar zu allem Überfluss auch noch zwei exzellente Kandidaten für den Happy Ending Abspann eines echten Feelgood-Movies. Dass insbesondere diese beiden es sind, die Bejar irgendwo zwischen Cat Stevens und Steve Forbert positionieren – manchmal hat man kein Pech und dann kommt auch noch Glück dazu. Unbedingt wiederhören! 

 Foto: Fabiola Carranza

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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