Nichts wird ausgelassen – „Elliptic EP“ von Vessels

Dass es sich bei Vessels um eine fünfköpfige Live-Band handelt, mag man wirklich erst dann glauben, wenn man sie leibhaftig und mit eigenen Augen sieht. Auf der Tonspur alleine jedenfalls gibt sich das Quintett derart akkurat und exakt, dass der großflächige Einsatz von digitalen Klangapparaten ausgemachte Sache zu sein scheint. Auf ihrer aktuellen "Elliptic EP" gehen sie sogar noch einen Schritt weiter in diese Richtung.

 
 
 
 
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Postrock hin oder her – Vessels reihen sich ein in die Schlange von klangkönnerischen Perfektionisten, welche ihre Instrumente so allumfassend beherrschen, dass sie gleich komplett auf Gesang verzichten. Delorean, Pttrns und Maserati lassen grüßen. Und mehr noch – gerade weil sie als klassisches Line-Up über diese fast traumwandlerische Fertigkeiten verfügen, haben sie am Spaß am akustischen Trompe-l’œil: Beat oder Schlagzeug? Sample oder Klanginstallation? Loop oder handgemachte Monotonie? Vessels lassen diese Fragen unbeantwortet. Zur Freude der Hörer-Ohren.

Für "Elliptic" haben Vessels das Vexier-Spiel auf das nächst-höhere Level verlegt. Das Titelstück könnte in dieser Form ohne Weiteres auch als nächste Border Community Maxi erscheinen. Gleichermaßen behutsam wie bestimmt ziehen das Tastenmotiv und die verhuscht-unartikulierten Sirenen-Gesänge Hörerohren in den Bann - bis kurz vor der Hälfte sowohl die Bass-Line als auch der Einsatz der Snare einen ersten Höhepunkt signalisieren. Erst gegen Ende, wenn der Drummer sowohl den Backbeat als auch diverse rhythmische Figuren mit der Hi Hat zum Besten gibt, lässt sich erahnen, dass Vessels das wohl kaum mit einer (nicht-menschlichen) Rhythmusmaschine hinbekommen hätten.

"Blue Clouds" ist streng genommen die eigentliche Hit-Single des Mini-Albums. Schließlich ist das Covern rein elektronischer Songs seit James Holdens Natahan Fake Remix  von "The Sky Was Pink" gute Tradition. Und was Vessels in diesem Fall aus Modeselektors "Blue Clouds" machen ist kurz vor großartig. Dass sie mit "Myopic Biopic" den Fuß vom Elektronik-Gas nehmen, ist da nicht nur ok, sondern auch dramaturgische vonnöten. Denn das abschließende "Come Out Of The Sky And Fight This" ist zwar der mit Abstand langsamste Track der "Elliptic EP" – gleichzeitig aber der lauteste, der akustisch am wildesten durchdrehende. Und nach dem Sound-Orgasmus? – Kommt die Zigarette danach in Form eines enorm eingängigen "Elliptic" Radio-Edits. Nice one!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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