Orakel und Spektakel – „Collections“ von Delphic

Delphic

Eine weitere britische Band, die dem Strudel aus Presse-Hype und Sensationsgeilheit um sie nicht widerstehen konnte, nur damit der sich alsbald in eine Abwärtsspirale verwandeln konnte? – Ja, eigentlich schon. Dem medialen Steilflug folgte der Absturz in eine Leere voller gegenseitiger Vorwürfe und – was noch viel schwerer wog -  achtzehnmonatigen Schreibblockade. Und das, obwohl die drei Mitglieder der Band die letzten fast fünf Jahre komplett gemeinsam verbracht haben. Vielleicht auch weil ...


Delphic
Collections

 

Cooperative Music / Universal
1. Februar 2013

6 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Glücklicherweise hatte der vielzitierte writer’s block im Falle Delphics nicht nur damit zu tun, von der Muse nicht heftig genug geküsst worden zu sein. Denn selbst wenn sie, die Muse, schon im Gästezimmer schläft, muss sich die rechte Gelegenheit erst noch einstellen. Damit am Ende alles so klingt wie aus einem Guß, benötigen Delphic für ihre analog-digitalen Klangcollagen bis zu drei Wochen am Reißbrett. Erst dann sind alle Instrumente, Plug-ins und sonstigen technischen Helferlein derart präpariert, dass eine erste Jam-Session überhaupt erst Sinn macht.

Die Fusion aus spontaner (meist also analoger) Instrumentiererei und digitaler Be- und Verarbeitung hört man "Collections" in so gut wie jedem Takt an. Von den Mühen, die eben jene Fusion bereitet hat, erzählen die Songs nichts. Ein Gradmesser für ihr Gelingen existiert dennoch, wenn auch indirekt. Nicht 100%-ig aufgegangen ist der Musikkuchen immer dann, wenn vom Artifiziellen mehr bleibt als nur ein Rest. Wenn die Künstlichkeit dieser planungsreichen Werke jede andere Wahrnehmung in den Hör-Schatten stellt. Wenn das Konzept wichtiger wird, als seine Umsetzung. "Exotic" ist eines der unrühmlicheren Beispiele; "Memeo" ebenso.  Ganz allgemein fällt auf, dass Delphic im letzten Drittel ihres aktuellen Albums "Collections" schwächeln. Denn auch "The Sun Also Rises" und "Don’t Let The Dreamers Take You Away" gehören nicht zu seinen Glanzlichtern.

Wer sich allerdings mit einem Song wie "Of The Young" einführt, und über "Baiya" und "Changes" zu "Atlas" führt, der darf das: Die trotz ihrer Unnatürlichkeit einnehmende Mehrstimmigkeit, die Gitarre vorm Sägezahn-Synthie sowie die Klavierakkordarbeit über Beatmaschinen. Neben dem scheinbar nicht zu widerstehenden Drang, alle Melodien dieser Welt in jeden einzelnen Song unterzukriegen, gehen diese Punkte wohl am ehesten als wesentliche Klangpfeiler Delphics durch. Dass sich der Gesamteindruck erhärtet, Delphic klingen wie Steely Dan und Supertramp im Studio mit Out Hud und !!! ist auch dem Umstand geschuldet, dass Tim Goldsworthy, seines Zeichens Mitbegründer von DFA, den drei Briten als Produzent zur Hand ging.

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