Tritt ins Derrière – „Payola“ von Desaparecidos

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Hui – ist das laut?! Wer Conor Oberst vor allem durch sein musikalischen Output als Bright Eyes kennt – so wie der Autor auch -  muss sich gleich zweimal ins Ohrläppchen kneifen: Den wohltemperierten Gitarrenlärm, den die Desaparecidos auf "Payola" veranstalten, den kann er also auch...

 

Desaparecidos
Payola
Epitaph / Indigo
19. Juni 2019
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Dabei sind die Gitarren bei weitem nicht alles, was an Obersts neuem Klangventil überrascht. So um 2001, noch bevor an Bright Eyes' Megaerfolg überhaupt zu denken war, spielten die Desaparecidos in musikalischer Hinsicht die alles einnehmende Hauptrolle in Obersts Musikleben. Und dazu gehörten eben auch Krachdrums, Gitarrenschrammelei und emotional aufgeladener Gesang – kurz: Schreien. Gut möglich, dass genau das dem Musik-Überflieger Oberst gefehlt hat. Nach knapp einer Dekade wohligen Folk-Geschunkels vielleicht auch kein Wunder.

Die 2002 aufgelösten Desaparecidos jedenfalls wurden 2010 wiedervereint – jedoch zunächst nur live. Jetzt, fünf Jahre nach dem Comeback, steht mit "Payola" das erste Album seit 2001 in den Regalen. 14 Songs stark, von denen nur ganze fünf die Dreiminuten-Marke treffen, zeigen sich Oberst und Kollegen von ihrer grungig-punkig-emo-haftesten Seite. Der Sound von Weezer, die Attitüde wie von den frühen At The Drive In, den Drive und die Energie wie bei Jimmy Eat World und Taking Back Sunday.

Dabei gelingt manches besser als anderes. Den guten Eindruck, den das Album dank seines Openers "The Left is Right" macht, bestätigen die Songs bis "Radicalized" leider nicht: Ob "Underground Man", "City On The Hill" oder "Golden Parachutes" – im direkten Vergleich zu Nummern wie dem eben genannten "Radicalized" oder "MariKKKopa" oder "Backsell" oder eben auch "10 Steps Behind" können sie nicht anstinken. Wobei Oberst selbst mit den schärfsten Messern seiner Album-Schublade keineswegs eine musikalische Revolution ausruft. Er wiederbelebt lediglich diese manchmal eben magisch wirkende Verbindung aus sensibler Aufmüpfigkeit, Gitarren-Soli und einen soliden Tritt ins Derrière. Und wenn alles stimmt, sitz der eben. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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