Phoenix mit der Masche – „Bankrupt!“ von Phoenix

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Ob das neue Phoenix Album "Bankrupt!" heißt, weil der unproduktive bzw. zunächst so gut wie ergebnislose Kreativitätsstau der letzten zwei Jahre sie ohne Ende Studiomiete gekostet hat? – Nein. Nach dem eher unwahrscheinlichen, dafür aber umso überwältigerenden Erfolg des Vorgängers "Wolfgang Amadeus Mozart" lässt sich bilanzieren: so teuer ist kein Studio der Welt.

 

Phoenix
Bankrupt
Warner
19. April 2013
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ebensowenig zutreffend sind Interpretationen, die von einem Bankrott im künstlerischen Sinne ausgehen. Denn: Phoenix haben eine Hit-Formel. Und die greift selbstverständlich auch auf "Bankrupt!" Die Frage dürfte eher sein, ob sich der Erfolg dieser Hit-Formel in den Charts weltweit so widerspiegelt wie beim Vorgänger. Immerhin setzen die aus der Asche kommenden klangtechnisch dort an, wo "1901" und co. aufgehört haben: eine dicke, bisweilen überfüllige Produktion, hemmungsloser Einsatz von mal quietschenden, mal mehr bratzenden Snythies, die Liebäugelei mit Sound-Zitaten aus dem schlimmeren Teil der 1980er Jahre. Allerdings: so logisch der Schritt sein mag, so deutlich zieht er einen Trennstrich zu den ersten drei Album-Veröffentlichungen des Franzosen-Vierers.

Insbesondere "United" und "Alphabetical" waren es, die mit ihrer unprätentiösen Präzision und wissendem Understatement regelrecht aufbegehrten. Songs wie "Don't" , "S.O.S. in Bel Air" oder "Oblique City" haben mit Understatement dann auch so viel gemein wie Lemmy mit den Anonymen Alkoholikern. Naheliegende Assoziationen: M83, Onra etc Und so ist es wenig überraschend, dass gerade auf jenen Nummern, bei denen die Synthie-Sound-Kleisterei einen Tick weniger aufdringlich wirkt, der ursprüngliche Phoenix-Zauber durchschimmert: "Drakkar Noir", "Trying To Be Cool" und "Bourgois" sind solche.

Neu, aufregend und tatsächlich andersartig statt (nur) gut, gekonnt und bewährt ist auf "Bankrupt!" dann auch nur eine einzige Nummer: das Titelstück. Knapp 7 Minuten lang zerfällt es in drei Teile, von denen die ersten beiden instrumental sind und der letzte Strophen- und Refrainlos bleibt. Und dann fällt auch noch der Schluss in Form eines Fade-outs wie vom Himmel. Nicht, dass der Autor sich diesen Song als Blaupause für’s nächste Album wünscht – allerdings liegt die Vermutung nahe, dass Phoenix Gefallen am Erfolg gefunden haben (warum auch nicht), sich aber über die zu ergreifenden Maßnahmen zu dessen Erhalt nicht ganz einig waren. Diese – nennen wir es – Zerissenheit hört man "Bankrupt!" an. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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