Pop Muzic 2014 – „Listen“ von the Kooks

The Kooks 2014 - CMS Source

In bester britischer Popmusik-Tradition haben die Kooks die Fußstapfen ihrer Vorbilder erst genauestens unter die Lupe genommen, nur um dann festzustellen, dass es sich auf eigenen Wegen irgendwie doch besser läuft. Auf "Listen" setzen die vier aus Brighton diese Entwicklung fort.

The Kooks
Listen
Virgin / Universal Music
05. September 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Emanzipation – nicht im Sinne von Gleichberechtigung – sondern als Prozess, bei dem Prägung und Erfahrung sich im Ring der Seele (meine Fresse, ist das pathetisch) einander gegenüberstehen, nur damit keiner gewinnt, gehört zu den wohl intensivsten Erfahrungen, die ein Individuum überhaupt machen kann. Stichwort Pubertät. Dass auch Rock- und Pop-Bands eine solche Entwicklung durchlaufen, zeigt sich gerade nirgends deutlicher als bei den Kooks. Ob nun schamlos abgekupfert oder einfach nur ordentlich inspiriert – in ihrer Anfangsphase kochten die Kooks die Rezepte ihrer musikalischen Lieblings-Chefs einfach nach. Erfolgreich zwar, aber quasi Samwer-Style.

Aber schon auf dem Vorgänger-Album "Junk Of The Heart" zeichnete sich ab, dass die vier es viel lieber selber gebacken kriegen würden, Anlaufschwierigkeiten inklusive. Auf "Listen" stimmen nun auch die Zutaten. Für Kooks-Fans der ersten Stunde dürften sich Songs wie das R’n’B-lastige "Down" mit seinem Holper-Di-Stolper-Rhythmus und das wegen seiner prominente Percussion-Parts ungewohnt funkige "Sunrise" als einigermaßen gewöhnungsbedürftig erweisen – aber das geht vorbei. Schließlich zeigen Höhepunkte des Albums, wie etwa "Sweet Emotion" und die erste Single "Forgive & Forget" in die richtige Richtung: Der Einfluss der Altvorderen-Elite schwindet, während sich Songschreibe-Prinzipal Pritchard für vor allem rhythmisch Neues öffnet.

Und so darf es niemanden wundern, wenn auf einmal nicht mehr die Kinks und Co durch die Klangerscheinung schimmern, sondern – wie zum Beispiel bei "Westside" oder "Are We Electric" Phoenix oder Arkells. Dass Pritchard seinem früh verstorbenen Vater mit der Ballade "See Me Now" ein Denkmal setzt, einschließlich eines Gospelchors und entsprechend balladesker Streichersätze. Und dass "Forgive & Forget" nicht nur Disco-Reminiszenzen enthält, sondern sogar INXS’ "Need You Tonight" zitiert. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass mit "It Was London" und "Bad Habit" noch immer reichlich klassisches Kooks-Material vertreten ist. Fazit: Gute Pop-Platte!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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