Pop (Not Pop) und darüber hinaus – Moto, Malia & Blank

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Was ist Pop? Und vor allem: Warum? Definiert sich der Zustand der Populärmusik über Endlosrotationen im Rieselradio und bezahlt-gekauften Einsatz als Werbepausentrailer des Privatfernsehens? Über das Vorhandensein von Stimme und Melodie? Einer ihm innewohnenden Zugänglichkeit auch für jenen Hörer, dessen musikalisches Verständnis und Interesse nur, wenn überhaupt, an der Obefläche der unendlichen Weiten der Musik kratzt? Fragen über Fragen, auf die es weder an dieser noch anderer Stelle befriedigende Antworten  zugeben scheint, sondern deren einziges greifbares Resultat ein immer wieder neu verhandelter Diskurs  nahezu philosophischen Ausmasses ist, von dessen ständigem Erhalt letztendlich jedes Medium innerhalb der sogenannten Musikjournaillie bis zu einem gewissen Grade abhängt.

Doch letztendlich bleibt Pop, ebenso wie die innerhalb dieses Diskurses regelmässig verhandelte Frage der Kommerzialität dieser oder jener Veröffentlichung / Entwicklung / künstlerischen Neuausrichtung, immer auch eine Frage des Blickwinkels und des jeweiligen Betrachters. Und ebenjener ermöglicht in diesem Rahmen die Präsentation gleich zweier Alben, die, trotz ihrer scheinbar gegensätzlichen Verortung in verschiedenen Genres, doch mehr eint als trennt und deren grosse gemeinsame Stärke eben auch in ihrer Zugänglichkeit liegt. 

Malia & Boris Blank treffen auf Clara Moto – eine gepflegte Zusammenkunft der musikalisch gediegeneren Art.


Malia & Boris Blank
Convergence

 

EmArcy / Universal
28. Januar 2014

 

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Boris Blank. War da nicht was? Zunächst einmal eine lange Pause nach dem letzten Yello-Lebenszeichen in 2009. Nun also zum ersten Mal in der Rolle des Produzenten – für die wunderbar samtweiche Stimme der Jazz-Sängerin Malia, die hier zusammen mit dem mittlerweile 62-jährigen Klangtüftler ein überaus zeitloses Langformat abliefert, welches zweifelsohne unterkühlter und abgehangener ist als sämtliche Cool Jazz-Alben zusammen. Natürlich spiegelt sich Blank's charakteristische Herangehensweise in den elektronischen Backings des Albums wieder, in denen der Rezensent zuweilen Anklänge an die „Vicious Games“-Phase herauszuhören meint. Jedoch gewinnt dieser Ansatz im Zusammenspiel mit Malia's Gesang und Spoken Word-Poetry („Smouldering Ashes“) noch einmal zusätzlich an Tiefe, die sowohl reguläre Pop-Fans als auch echte Jazzheadz für sich einzunehmen weiss und sogar einem eigentlich uncoverbaren Klassiker wie „Fever“ noch einmal neue, spannende Facetten verleiht. Empfohlen. 8 Points 

 



Clara Moto
Blue Distance

 

InFiné
4. November

 

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Wesentlich elektronischer und zumindest in Teilen auch im direkten Vergleich mehr am elektronisch geschulten Dancefloor orientiert präsentiert sich der Albumzweitling der Österreicherin Clara Prettenhofer, besser bekannt unter ihrem Alias Clara Moto. Mit der Fortsetzung zu ihrem in 2010 veröffentlichten Debut „Polyamour“ beschreitet die gebürtige Grazerin einen Weg zwischen unbeschwertem elektronischem Popsong im Sinne des fast ItaloPop-orientierten „How We Live In Each Other“, um sich direkt im Anschluss daran in nebelverwaschenen TripHop-Elegien zu verlieren, in denen digital bearbeiteten Stimmfetzen nur noch – und wirkungsähnlich der von PostStep-Überflieger Burial eingesetzten Technik – eine Rolle als weiteres, sehnsuchtsvolles Element neben sich in epischen Räumen ergiessenden Flächen zukommt. Weiter geht die Reise über Dancefloor-funktionalen TechHouse meets (Neo)Trance-Crossover, trippigen, durchaus an Jazz geschultem Downbeat Phonk / TripHop mit raumgreifenden Atmosphären und nahezu cineastischem Charakter („I Saw Your Love“) und legt mit „In My Dream“ sogar mädchenhaft verspielte Züge  an den Tag. Auch kleinteilig-verträumter SlowHouse mit asiatisch wirkenden Einflüssen steht auf dem weiteren Programm, ebenso das Eintauchen in angenehm ambiente Klanglandschaften, frühlingshafte Verliebtheiten und melodieschwangeres Tanzflurfutter für die OpenAir-Festivitäten des kommenden Sommers. Ist das jetzt Pop? Gute 7 Points

Foto: dinxda

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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