Radical Groovism – „Look At The Powerful People“ von Formation

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Formation sind ein fünfköpfiges Duo. Nein, halt: zweiköpfiges Quintett trifft’s wohl eher. Das geht nicht? Und ob: Gegründet und angeführt von den Zwillingsbrüdern Will (Vocals) und Matt Ritson (Synths), machen Jonny Tams (Bass), Sasha Lewis (Synths) und Kai Akinde-Hummel (Drums) die Formation rund. Mit ihrem Debüt „Look At The Powerful People“ erscheint eines der aufregendsten Alben 2017.

Formation
Look At The Powerful People
Warner Bros.
31. März 2017
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

Aufregend, nicht weil Will und Matt telegene Multiinstrumentalisten und auch sonst coole Fast-Alles-Könner sind. Auch nicht, weil sie derzeit als die neueste und heißeste Sau gehandelt werden, die man durch das britische Dorf namens Musikjournalismus treibt. Nein. Aufregend einzig und allein deshalb, weil es Formation auf „Look At The Powerful People“ gelingt, Groove, Punk-Attitüde und Social Awareness derart intelligent miteinander zu verbinden, dass es allen, die genau das für schlicht unmöglich gehalten hatten, kaum auffällt. Wichtigste Zutat dabei: Das Bewusstsein, dass Tanzbarkeit nicht zwangsläufig Eskapismus bedeutet; der Wille, zwischen Message und Musik nicht vermitteln zu wollen, sondern das eine im anderen aufgehen zu lassen.

Was klingt wie aus dem Wahlprogramm Bhagwan erleuchteter Sozialdemokraten ist der hemdsärmelige Versuch, in Worte zu fassen, was die Kuhglocken-Fetischisten aus London auf neun von zehn Songs (die Ballade „Blood Red Hand“ ist in jeglicher Hinsicht eine Ausnahme) viel besser zum Klingen gebracht haben. Dabei machen Kompositionen wie „Drugs“, „Powerful People“ oder auch (die Ode an das Schach) „On The Board“ deutlich, dass Liquid Liquid soundtechnisch ebenso Pate gestanden haben müssen, wie die Landsmänner von Breton. Wohingegen „Pleasure“, „Back Then“ und „A Friend“ eher Assoziationen in Richtung !!! und - ja, genau die – Bloc Party auslösen. Dass die Zwillinge mit „Gods“ sogar eine Komposition in petto haben, die in ihrer Sample-Verliebtheit an den delikaten französischen Filterhouse von Demon erinnert, ist dem Rezensenten fast schon zu viel des Guten. Sei’s drum – es wird ewig dauern, bis man sich dieses Album müde gehört hat. Von dem irren Saxophon-Solo auf „Back Then“ gar nicht erst zu sprechen....

Fehlfarben waren übrigens auch mal so unterwegs. So radikal groove-orientiert. Bis die politische Überzeugungen mit Peter Hein gewedelt haben wie der Schwanz mit dem Hund. Angesichts der sympathischen Bodenhaftung, die von den von den beiden Ritson-Brüdern ausgeht, steht da nichts zu befürchten. Gottseidank. Und jetzt zurück auf die Tanzfläche!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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