Regen oder Traufe – „Some Blue Morning“ von Adrian Crowley

Adrian-Crowley

Das siebente Album des Adrian Crowley, einem musikalischen Spätblüher, der sich (erst) als Mitte Zwanzigjähriger und nach dem Abschluss eines Architektur- und Fotografie-Studiums für ein Dasein als Musiker entschied, heißt "Some Blue Morning". Allerdings darf man sich allein beim Blick auf’s Cover fragen, ob es nicht besser "Any Black Evening" hätte heißen sollen ...

Adrian Crowley
Some Blue Morning
Chemikal Underground / Rough Trade
21. November 2014
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

So behutsam und leisetreterisch die Staccato-Streicher das Album mit dem Titelsong auch eröffnen – sie lassen keine Zweifel darüber, dass "Some Blue Morning" vieles zu bieten hat – hoffnungsfrohe Euphorie aber gehört nicht dazu. Crowley klingt dabei in etwa so fröhlich wie Johnny Cash auf seinen "American Recordings 1-n" guckt. Womit wir auch schon beim Wesentlichen angekommen sind. Das Wichtigste an der Musik des Iren ist ohne jede Frage seine Stimme: baritonig, sonor, anti-hektisch. Kein Wunder, dass in jeder zweiten Besprechung seines neuen Langspielwerks die üblichen verdächtigen Klangverwandten - Lee Hazlewood, Tony Joe White, Leonard Cohen, Nick Cave, Bill Callahan und, ja, auch Johnny Cash - Erwähnung finden. So auch in dieser.

Für Friede-Freude-Eierkuchen Musik ist von denen ja keiner so richtig bekannt. Aber Crowley gehört definitiv zu denen mit den tiefsten Seelen-Höhlen. Der Himmel voller trauriger Geigen und Celli reißt noch nicht einmal bei den pseudo-walzrigen "The Stranger" und "Trouble" ein Stück weit auf. Überhaupt lässt sich sagen: Die kammermusikalische Instrumentierung ist mitnichten ein Mittel zum Zweck der Aufheiterung. Korrekterweise gilt, dass sie den Eindruck des Elegisch-Inwärtsgewandten nur noch verstärkt. Die kunst-musikalischen Eingriffe, die sich Crowley darüber hinaus erlaubt – das instrumentale Interlude "The Gift", der sinfonische Aufbau von "The Angel", die Spoken-Word-Performance auf "The Wild Boar" – besorgen den Rest. "Some Blue Morning" ist weniger melancholisch als vielmehr ernst. Um nicht zu sagen: todernst.

Der einzig ernstzunehmende (hehe) Versuch, der – mit Verlaub - Trauerkloßigkeit für einen klitzekleinen, knapp dreiminütigen Moment zu entrinnen, ist "Golden Palominos", ein Song über Pferde. Als elfter und letzter Songs auf "Some Blue Morning" geht "Golden Palominos" möglicherweise als jenes hoffnungschimmernde Fünkchen durch, das den Hörern versichert, der Crowley ist noch lang nicht durch; da kommt noch was. Das und mehr Mut zur Lebensfreude wünscht sich auch der Autor. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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