Reif und schön – „Fast Food“ von Nadine Shah

Nadine-Shah

Labels im Wandel der Zeiten. In 1992 ursprünglich als Ambient-Offspring des legendären belgischen Labels R&S Records ins Leben gerufen, schlägt Apollo Records dieser Tage und vor allem mit dem Zweitling der inselbritischen Künstlerin Nadine Shah eher unelektronische Töne an. Sorgte schon Shah's in 2013 ebenfalls auf Apollo veröffentlichtes Debüt derart für Aufsehen, dass sie nicht nur im  Rahmen von Vivienne Westwood's Show zur Londoner Fashion Week aufspielte und als Opener für Bat For Lashes agierte, sondern für einige Konzerte auch mit Depeche Mode auf Tour ging, präsentiert sich das neue Werk "Fast Food"  gereifter und – so die Musikerin selbst – als "coming of age album of sorts".

Nadine Shah
Fast Food
Apollo Records / Alive
02. April 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | Fast Food - Nadine Shah" target="_blank">iTunes | JPC
 

Weitgehend den Echos von PostPunk und (No)Wave verschrieben, finden sich auf "Fast Food" Ecken, Kanten, rauhe Oberflächen und rauchige Atmosphären zuhauf, ebenso wie hypnotisierende Reverbs und angedeutete Distortion, mit denen sich im Falle von "Fool" sowohl schwarzgewandete Gestalten als auch klassische Indie-Headz und Follower des Dänen Trentemøller oder der ebenfalls dänischen Band Darkness Falls identifizieren können, doch auch in besinnlicheren Momenten wie dem dreckig-folkigen "Matador" oder dem intimen "Nothing Else To Do" versprüht das erneut von Ben Hillier produzierte Album der Britin seinen ureigenen Reiz. Denn neben den zuweilen bewusst etwas neben der Spur gehaltenen Arrangements, die sich über die gesamte Laufzeit des 41-Minüters ziehen, ist es vor allem Nadine Shah's Stimme, irgendwo zwischen tiefgehender – auch mit Leid verbundener - Lebenserfahrung, warmen Soul und zuweilen auch Rockröhre mit 80er-Referenzen changierend, die die stilistische Spannweite des neuen Werkes wie ein schützendes, allumspannendes Netz umfängt und den Hörer durch dramatische Höhen und Tiefen geleitet.

Vor allem das durch den Einsatz aggressiver War-Drums extrem treibende und doch schwebend scheinende "Washed Up" gehört dank dieses Kontrastes zu den herausragenden und vor allem intensivsten Songs des Albums, während "Gin One" direkt im Anschluss den Weg in Richtung Pop einschlägt, ohne sich in Lieblichkeiten oder Anbiederungen an sogenannte Massengeschmäcker zu verlieren. "Big Hands" liefert zum Ende des Albums hin noch einmal ganz grosses Drama und ist damit das, was der Engländer gemeinhin mit dem Begriff "over the top" zu bezeichnen pflegt – mit anderen Worten: zu viel Soundtrack, zu viel Musical, zu viel Gefühl und damit leider auch der einzige Ausfall an vorletzter Stelle. Doch spätestens mit dem abschliessenden "Living" findet Nadine Shah zu gewohnter Stärke zurück und hinterlässt mit "Fast Food" ein durchaus spannendes Album, das sie selbst mit "coming of age" recht trefflich zu beschreiben und einzuschätzen wusste. 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.