Rhythm and Punk – „Electric Balloon“ von Ava Luna

ava luna

Es gibt sie immer noch - trotz Mp3, Facebook und Skype-Karaoke: Seit Jahren bestehende Bands, deren Mitglieder weder die jüngsten Erwachsenen sind, noch aus der Mitgliedschaft einen finanziellen Vorteil ziehen. Und das Band-Schicksal deshalb vom überlebenswichtigen, weil hauptamtlichen Alltag der einzelnen Mitglieder abhängt. Ava Luna ist so eine Band. "Electric Balloon" ihr inzwischen viertes Album.

Ava Luna
Electric Balloon
Western Vinyl
28. Februar 2014
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Nun: JOINMUSIC ist nicht Brand Eins. Weswegen die Analyse der wirtschaftlichen Grundfeste der Band mit dem außergewöhnlichen DIY-Anspruch auch weniger Ökonomie-Studie als vielmehr beispielgebend für eine Haltung sein soll, die in Zeiten von Celebrity-Castings nur allzu schnell in den Hintergrund zu rücken scheint: Machen, worauf man Bock hat – Geld verdienen geht auch anders. Bei dem vor zwei Jahren noch als Septett geführten, inzwischen aber auf ein fünfköpfiges Ensemble geschrumpften Klang-Kollektiv Ava Luna ist das mit dem Rückgrat doppelt und dreifach wichtig. Warum?

Weil dem Autoren nur wenige Interpreten bekannt sind, die sich mit ihren Klangergüssen derart absichtlich gekonnt zwischen alle, aber wirklich alle Stühle setzen. Vor allen anderen Schuld daran ist Carlos Hernandez. Schließlich ist Ava Luna seine Kopfgeburt. Ob das gesamte Ausmaß des irgendwie schon cränken Sounds auf "Electric Balloon" allerdings auch nur auf seinem eigenen Mist hätte wachsen können, darf bezweifelt werden. Auch Schlagzeuger Julian Fader, Tasten-Virtuose Nathan Tompkins sowie die beiden auch als Sängerinnen tätigen Felicia Douglass und Becca Kaufman tragen ihren Teil zu diesem klanggewordenen Wahnsinn bei.    

Und so paaren sich auf "Electric Ballon" Betty Davis Funk ("Sear Roebuck M&Ms"), David Byrne Gitarren-Geometrie ("Daydream"), ESG Naivität ("Electric Balloon"), Dirty Projectors Postmoderne ("Hold U"), Prog-Rock-Rhythmen ("Judy") und Can Hommage ("Ab Ovo"), während Hernandez’ porzellan-brüchiges Männer-Falsett allen Kopfstimmlern der Welt - von Curtis Mayfield über Al Green bis hin zu How To Dress Well – salutiert. Dass sogar amtlicher Südstaaten-Rock vom Schlage Alabama Shakes’  Platz im elektrischen Ballon findet, zeigt sich beim labyrinthisch arrangierten "Plain Speech" ganz besonders deutlich. Mehr als alles andere aber schmeichelt dem Trommelfell das großartig R’n’B-lastige "PRPL" – schon jetzt einer der Songs 2014.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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