Es fehlt der Film zur Musik – „San Fermin“ von San Fermin

san fermin pic

Kammer-Pop, ja? – Meinst Du so was wie Lambchop? – Nein, eben nicht das Zeugs, das – aus welchen Gründen auch immer – eher zufällig sakral, seriös und was weiß ich nicht noch alles klingt. Ich meine Pop, der mit klassischen, kammermusikalischen Mitteln nicht einfach nur entstanden ist, sondern komponiert wurde: Wie "San Fermin" von San Fermin eben.

San Fermin
San Fermin
Downtown Records
17. September 2017
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Ellis Ludwig-Leone. Dass man mit einem solchen Namen sein Dasein nicht als Ranger in einem Wildpark fristen würde, war dem Träger vermutlich schon bald nach seiner Geburt klar. Stattdessen entschied er sich für ein eher klassisch ausgerichtetes Musikstudium, nach dessen Abschluss er sich der Einsamkeit der Rocky Mountains ergab, auf der Suche nach und in der Hoffnung auf Inspiration für das, was Ludwig-Leones erstes Hauptwerk, sein Gesellenstück gewissermaßen, werden sollte.

Das eigentlich Faszinierende daran aber ist, dass der jetzt unter dem Signum San Fermin agierende Musiker keinen einzigen Ton dem Zufall überließ, sondern jede der insgesamt über 20 Orchesterstimmen bis auf die kleinste Pause auskomponierte. Bewaffnet mit dieser Partitur waren die eigentlichen Aufnahmen dann vor allem eine Fleiß-Sache. So verkopft sich allein die Idee schon präsentiert – so überraschend stimmig ist das Endergebnis. "San Fermin" lässt sich nur schwer als Nicht-Konzept-Album beschreiben. Zwar gehen vor allem "Sonsick“, "Bar" und "Daedelus" als waschechte und keineswegs nur theoretische Singles durch – im Kontext des Album aber erfüllen sie ihren Zweck mindestens genauso gut und funktionieren als essentielles Teil des Ganzen.  

Wer nach dieser Beschreibung einen Score à la Hans Zimmer vermutet, ist dennoch auf dem Holzweg. Ludwig-Leone verkauft auf "San Fermin" weder Hollywood-Schinken, noch andere Massengefühlsware. Zwischenspiele wie das nicht nur leicht verstörende "In Waiting" oder der Schlusssong des Albums "Altogether Changed" machen mehr als deutlich, dass Ludwig-Leone nicht an Harmoniesucht leidet, sondern Klangwelten vermisst, sie abschreitet, auskostet und zu einem steten Fluss ordnet – egal wie dissonant sie nach herkömmlichen Maßstäben auch klingen mögen. Die Falle, in die bereits Daft Punk und M83 getappt sind, weil sie glaubten nach ein paar Musik-Videos sei die Tonspur für einen Film die logische Konsequenz, braucht Ludwig-Leone nicht zu fürchten: Den Soundtrack hat er schon fertig. Fehlt nur noch der Film.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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