Schlafzimmer-Orchester-Pop – „Key Change“ von Mocky

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Wenn man sich vorstellt, dass Dominic Salole aka Mocky vor ein paar Jahren noch nur mit einem Sampler und einer Rap-Handpuppe als Puppetmasta unterwegs war, scheint das, was auf "Key Change" erklingt, noch viel unglaublicher: Die mit großer Liebe zum Detail versehene Wiederauferstehung des Schlafzimmer-Pop: leicht verjazzt, üppigst arrangiert und dennoch mit relativ überschaubaren Mitteln realisiert.

Mocky
Key Change
Heavy Sheet / Morr Music / Indigo
29. Juni 2019
10 / 10
Erhältlich bei Amazon | Bandcamp | HHV

Ja, so manches Mal machen schon die einleitende Zeilen überdeutlich klar, wohin die Reise gehen soll. Und in Mockys Fall bzw. im Falle des aktuellen Mocky-Albums "Key Change" stehen alle Zeichen in Richtung Höchstwertung. Die gibt es übrigens nicht dafür, dass Mocky alles, was auf "Key Change" zu hören ist, selber eingespielt hat – genauso wie im "Whistlin"-Video beschrieben. Jedenfalls fast. Die paar musikalischen Gäste – Feist ("Living In The Snow"), Chilly Gonzales ("Head In The Clouds") und noch eine weitere Handvoll – sind, was Mockys solitäre Arbeit angeht, zu vernachlässigen.

Die 10 von 10 gibt es übrigens auch nicht für das einmalig gelungene West-Küsten-Klangdesign. Als hätten sich Jazzer und Rocker Mitte der 1970er im Laurel Canyon getroffen und schon damals mit der Technik von heute gearbeitet. Am Bass Carol Kaye, die Tasten drückt Michael Franks und hinterm Schlagzeug thront ein einarmiger Steve Gadd. Bläser und Streicher kommen wie von Don Sebesky (der mochte Querflöten auch so gern) und wenn Boz Scaggs und Ned Doheny nicht gerade in der Gesangskabine zu tun haben, handclappen sie miteinander um die Wette.

Wenn überhaupt, dann rechtfertigt sich die Bestnote sowieso nur, weil Mocky mit diesem manchmal recht verkopft wirkenden Konzeptwerk – angefangen beim Titel, über die völlig Absenz von Samples bis hin zur old-schooligen Schwarz-Weiss-Fotografie und der Sinatra-esken, weil zeitlos eleganten Atmosphäre – nichts hätte richtiger machen können. Alles greift ineinander. Jedes noch so kleine Zahnrad (ein Akzent mit der Hi-Hat, ein klitzekleine Synkope vor der schweren Zählzeit) hat nur eines zum Ziel: Die unglaublich gelungen groovende Kopf-Kino-Maschine am Laufen zu halten. Deswegen war es nämlich auch korrekt von Mocky, "Key Change" nicht mit Feel-Good-Schwingern à la "Living In The Snow" oder "Time Inflation" zu überfrachten. Dieser gewisse (Sonnen)-Überdruss, wie er wahrscheinlich nur in Kalifornien gedeiht, und dem Friede-Freude-Heiterkeits-Gefühl ein Stück Bodenhaftung verleiht, passt zu Mockys konzeptionellen Rahmen eh viel besser. Einziger Wermutstropfen: Nach knapp 30 Minuten ist alles vorbei.

Foto: Vice Cooler

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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