Schwedisch Hall – „Palpitation“ von Palpitation

palpitation

In Hamburg wird eine Speiseeissorte namens Priapismus angeboten. Insofern bewegen sich die beiden Schwedinnen mit der Namenswahl für ihr gemeinsames musikalisches Projekt vollständig im grünen Bereich. So ungewöhnlich es dennoch sein mag, sich nach dem Fachbegriff für die bewusste Wahrnehmung des eigenen Herzschlages zu bennen, so wenig ist damit über das Klangplanquadrat ausgesagt, das die beiden aufspannen und bespielen.


Palpitation
Palpitation

 

Popup Records / Luxury / Cargo Records
18. Januar 2013

7 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Beginnen wir mit dem Unschönen, denn dann haben wir es hinter uns. Die Produktion ist von der "Knapp-Vor-Einer-Frechheit"-Art. Pappige Drums, ein zwar schöner, aber ewig gleicher Gitarrensound, schrecklich billige Synthies, bei denen im Unklaren bleibt, ob sie nun eine Melodika oder ein Englisch Horn emulieren, und so wenig Bass, wie der Rezensent lange nicht nicht gehört hat. Mit dem Raum, der auf den Stimmen liegt, könnte man Schwedisch Hall bauen.

Was noch die schlechteste Produktion dem Duo nicht wird nehmen können – die großartigen Stimmen und ihre noch großartigeren Fähigkeiten, alles aus diesen herausholen zu können. Phrasierungen, Rhythmisierungen, das Konzept von der Stimme als instrumentales Werkzeug und ihr Gebrauch als Lärmmacher (gemeint sind unter anderem die Sekundenbruchteil-Glissandi, vulgo Kiekser, die sich anhören, als würde ein Finger über eine Gitarrensaite gleiten) – sie machen den Unterschied aus, der nötig ist. Ihre sofortig wieder erkennbare Vokal-Darbietung erinnert nicht zufällig an das kanadische Schwestern-Paar Tegan and Sara. Deren anfängliche Unsicherheit, sich für ein bestimmtes Musikgenre entscheiden zu müssen, spiegelt sich jetzt auch bei den Kolleginnen aus Schweden. Was diesen unter allen Umständen gut tun würde, das wäre eine Produktion, die den Namen auch wert ist.

Abgesehen davon machen die zwei jungen Damen ganz den Eindruck, als wüssten sie ziemlich genau, was sie wollten. Ob die Intuition, ihre Musik mache sich bei Frost und Schnee irgendwie noch heimeliger und damit besser als bei Sonne und Strand Einbildung durch Vorwissen ist, oder den Tatsachen entspricht, vermag der Autor nicht endgültig zu klären. Der Nachtrag kommt, wenn sich das Wetter wieder von seiner besseren, sprich "Hände-Hoch-Im-Cabrio"-Seite zeigt. Bis dahin: mit den besten Empfehlungen für vor dem Kamin!

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

Sliding Sidebar

About Me

About Me

Ihr seid auf der Suche nach „großartiger Musik“? - Dann seid Ihr hier genau richtig: JOINMUSIC.COM informiert über Tracks, Playlists, Reviews und Hintergrund-Stories von Künstlern, die den Unterschied machen.

Wenn wir finden, dass ein Track, ein Video, ein Künstler oder gar ein ganzes Album im Netz Beachtung finden sollte, dann schreiben wir darüber. Wenn ihr findet, dass ein Thema bei uns Beachtung finden sollte, dann schreibt uns einfach unter info@joinmusic.com.