Seele trifft Technik – „Automatic Soul“ von Tom Findlay

findlay

Tom Findlay ist der Kleine von Groove Armada. Und während der Große, Andy "Cato" Cocup, sich vor allem für biologische Nachhaltigkeit stark macht, liegt Findlay ganz besonders der musikalischen Umweltschutz am Herzen. Und so wundert es nicht, dass er bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren eine Folge der LateNightTales-Serie kuratiert. Diesmal: "Late Night Tales Automatic Soul".

Tom Findlay
Late Night Tales Automatic Soul
Late Night Tales / Rough Trade
07. November 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Dass er das darf, hat wohl auch damit zu tun, dass Findlay – anders als andere Kuratoren der Serie – nicht nur einen geschmacklichen, sondern eben auch einen musikalischen roten Faden spinnt. Bei der 2012 erschienenen "Music For Pleasure"-Ausgabe hatte sich alles um den Blue Eyed Soul der Laurel Canyon Szene nach 1975 gedreht. "Automatic Soul" hingegen steht ganz im Zeichen des Soul der frühen 1980er Jahre; einer Zeit also, die vor allem gekennzeichnet war durch das Aufeinandertreffen von alter Songschreibekunst und neuen Technologien in Sachen Klangerzeugung und -bearbeitung.

Rückblickend wirkt die hemmungslose Begeisterung für die neuen, aus heutiger Sicht aber alles andere als ausgereiften Synthetik-Sounds möglicherweise befremdlich: Zu dünn im Klang, zu hüftsteif die Dynamik, zu klinisch der Gesamteindruck. Denkt man sich heute. Genau diese Punkte aber waren es damals, die nicht nur bei Musikern, sondern eben auch bei Hörern den Ausschlag gaben: Der roboterhafte Drum-Groove bei Mtumes "Juicy Fruit", die Synthie-Bässe von Timex Social Club, die Space-Disco-Klänge von Sharon Browns "I Specialize". Dass sich Fortschritt heute anders anhört, kann über die bedeutende Rolle dieser klanglichen Pioniertaten von damals nicht hinwegtäuschen.  Wie nachhaltig zumindest einige dieser Innovationen tatsächlich waren, lässt sich heute, runde 30 Jahre später, ja auch sehr viel besser einschätzen: Ob Daft Punk ohne den Zapp-Vocoder von Roger Troutman überhaupt denkbar gewesen wären?

Nicht alles ist wertvoll, nur weil es alt ist. Und so präsentiert auch "Automatic Soul" Höhepunkte neben nicht ganz so Gelungenem. Sugardaddys "Don’t Look Any Further" Cover zählt zu den Ersteren, wie auch das im Grunde noch sehr discoide "I Owe It To Myself" der GAP Band. Alexander O’Neal aber hatte garantiert größere Momente als "What’s Missing" und auch Donna Allens "Serious" scheint fundamental optimierbar. Weil aber Tom Findlay nicht nur ein Musik-Connaisseur ist, sondern auch ein talentierter DJ, mischen sich bzw. mischt er die unterschiedlichen Klangzutaten zu einem großen Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Gutes Ding. Nicht nur für 80er-Fetischisten.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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