Sie? Me Gusta! – „Otra Era“ von Javiera Mena

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Ricky "Loca Vida" Martin und Kolumbiens berühmtester laufender Meter – Shi-Shakira – haben dem Latin-Pop einen Bärendienst erwiesen: Mit dem Lokal-Kolorit vom Charme einer McDonalds-Filiale führten sie noch den letzten regionalen Bezug als Appetithäppchen für den globalisierten Allesfresser Pop vor; während J Los und Christina Aguileras spanisch-sprachige Alben vor keinem, nicht einmal dem dämlichsten Latino-Klischee halt machten. Zum Glück gibt es Javiera Mena und ihr neues Album "Otra Era".

Javiera Mena
Otra Era
Unión Del Sur
28. Oktober 2014
8 / 10
Erhältlich bei iTunes

Javiera Mena ist Chilenin, Anfang 30 und "Otra Era" ihr mittlerweile drittes Solo-Album. Spätestens seit ihrem Zweitling "Mena" gilt sie als eine Art Heilsbringerin. Jedenfalls in Sachen Pop aus Südamerika. Und der Autor dürfte zu den letzten gehören, die sich dieser Meinung entgegenstellen. "Otra Era" ist ganz deutlich die logische Weiterentwicklung jener Klangwelten, die schon auf dem Vorgänger den Ton angaben: Casio-Keyboards, Synth-Drums und digitale Bässe. Allerdings haben Mena und der Produzent ihres Vertrauens, Christian Heyne, für das Endergebnis bei "Otra Era" auf ca. drei Pfund mehr Klangqualität gesetzt. An den Drums ist jetzt alles dran, die Synthesizer klingen vollmundig und nach Gameboy hört sich’s nur dann an, wenn’s sich danach anhören soll.

Damit liegt Mena nicht nur im Trend, sondern auch ganz weit vorn. Ob Anoraak, Tesla Boy oder der vom Autoren so verehrte Chad Valley – sie alle verleihen ihrem Faible für klebrigen Zuckerwatte-80ies-Pop den best-möglichen Ausdruck. So auch Mena. Wie insbesondere an "Esa Fuerza" und "La Carretera" gut nachvollziehbar, peppt sie diese Formel gerne auch mal mit Eurodance-Elementen auf. Oder setzt wie bei "Que Me Tome La Noche" oder "Espada" auf Tiesto-Trance. Dass sie dennoch nie Gefahr läuft, als Stil-Epigonin ihr Profil zu verlieren, hat viel mit ihr als spanisch-sprachige Sängerin zu tun.

Denn Mena kann singen, ist aber weit entfernt davon, das zu sein, was man gemeinhin Stimme nennt. Zum Glück ist ihr das schnurzpiepegal. Dafür weiß sie, wie man Sprach-Rhythmus so effizient wie möglich einsetzt (Stichwort: Titeltrack "Otra Era"): Wann Silben gezogen werden können und wann sie abgefeuert werden müssen; warum stumpfe, aber rhythmisch einwandfreie Wiederholungen manchmal mehr bringen, als jede noch so geistreiche Gesangszeile. Kurz: Wie man damit Eindruck schindet auch ohne über eine Acht-Oktaven-Röhre zu verfügen. Damit ist Javiera Mena mehr Gloria Estefan, als der Autor es je für möglich gehalten hatte. Glückwunsch.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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