Unter der Sonne Kaliforniens – „Signs Under Test“ von John Tejada

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John Tejada hat die Elektro- und Techno-Fahne schon hochgehalten, als man in Amerika noch rätselte, wie EDM eigentlich zu buchstabieren sei. Zusammen mit zwei handvoll Pionieren aus Detroit und einem Dutzend Partisanen aus dem Rest der USA repräsentierte er über ein Jahrzehnt lang den elektroakustischen Untergrund der Vereinigten Staaten von Amerika – mithin das Land, in dem der Sound erfunden wurde. Mit "Signs Under Test" legt der 40-jährige jetzt sein inzwischen zwölftes Album vor.

John Tejada
Signs Under Test
Kompakt / Rough Trade
30. Januar 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Kompakt

Die irgendwie noch immer ausbleibende Anerkennung durch seine Heimat hat Tejada jedoch nie daran gehindert, seine Klangvisionen und Tanzexperimente in den Rest der Welt hinauszutragen. In Deutschland, stark befördert durch seine wegweisende Releases auf Palette und Steve Bugs Poker Flat, stieß der Mann, der seine dunklen Sounds direkt unter der Sonne Kaliforniens produziert, von Anfang an auf großes Echo. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Tejada einer der ersten war, die in der strikten Trennung zwischen House und Techno wenig Sinn sahen. Den Sound, den er nach genau diesem Credo produzierte, nannte er Tech-House; die Schweizer mal wieder...

"Signs Under Test" ist mitnichten revolutionär. Und mit Avantgarde braucht man Tejada auch nicht zu kommen.  Für die musikalische Molekular-Küche sind andere zuständig. Tejada ist eher wie ein Sushi-Koch, dessen Kreationen eine außergewöhnliche geschmackliche Bandbreite abdecken, aber immer als Sushi identifizierbar bleiben. Das 11-Gänge Menü "Sign Under Test" gehört wohl zu dem Kohärentesten, was der Mann je gerollt hat. Ganz wesentlich für diese Einschätzung ist der so genannte Tejada-Sound: Kaum einem Kollegen gelingt es derart dauerhaft, seinen Werken einen unverwechselbare Klang-Signatur zu verpassen.: Typisch flüchtigen Synthie-Stabs ("R.U.R.", "Cryptochrome" & "Meadow"); kirchtonartigen Melodien zwischen Hoffnung und Verzweiflung ("y 0 Why", "Beacht" & "Rubric"); perkussiv-hüpfende und schnell verhallende Ton-Tropfen; rhythmische Idiosynkrasien ("Vaalbara", "Endorphins" & "Heave In Sight").

Dass Tejada  auch auf seinem zwölftem Album noch immer über den selbst-gemeißelten Studio-Horizont zu blicken vermag und mehr kann, als sich und seinen Sound zu recyceln, das zeigen experimentellere Produktionen wie "Penumbra". Und wer nach "Endorphins" noch immer behauptet, Tejada habe den Dancefloor aus den Augen verloren, dem kann der Autor in diesem Leben auch nicht mehr helfen. Bei aller Funktionalität des vom Produzenten maßgeblich geprägten Genres – "Signs Under Test" ist kein Club-Album. Adressaten sind demnach auch weniger Tänzer als vielmehr Hörer. Kaum ein Track auf Tejadas erwachsenstem Album verkörpert diesen Aspekt von "Signs Under Test" besser als das wundersam elegische "Two 0 One" – Trommelfell-Relaxen bei 126 beats per minute.  

Foto: Jimmy Tamborell0

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