Smoking Hot – „Tuxedo“ von Tuxedo

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Früher war wirklich alles besser. Sogar die Zukunft. Nirgendwo stolpert man sicherer über diesen Fakt als beim Hören von "Tuxedo", dem Debüt-Album des gleichnamigen und gemeinsamen Musikprojekts von Beatbauer Jake One und Soul-Survivor Mayer Hawthorne.

Tuxedo
Tuxedo
Stones Throw / Groove Attack
6. März 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Was sich zunächst anhört wie eine höchst unwahrscheinliche Konstellation – einer der Rhythmus-Hauptverantwortlichen des Böse-Buben-Vereins G-Unit lässt sich auf ein Duo mit dem alternativen Leftfield Sonnyboy des noch viel ulkigeren Stones Throw Label ein – ist bei näherer Betrachtung eine Fügung, die glücklicher kaum sein könnte. Ganz abgesehen davon, dass Tuxedo damit einen nicht ganz unentscheidenden und vor allem friedfertigen Beitrag zur East-Vs-West Coast Thematik beisteuern.

Aber von vorn: Sowohl der Detroiter Jung Mayer Hawthorne als auch Jake One sind von Haus aus DJs. Vor über 10 Jahren begegneten die beiden sich auf irgendeiner Party und der jeweils eine ("Shoot The Duck") drückte dem jeweils anderen ("AR Music") ein Mix-Tape in die Hand. Schon am nächsten Tag dürften sowohl Hawthorne als auch Jake One gehörig die Ohren geschlackert haben, als beide feststellen mussten, im jeweils anderen so etwas wie einen  verlorenen Bruder gefunden zu haben: Vollkommen unabhängig voneinander hatten sie sich auf ihren jeweiligen MixTapes für eine musikhistorische Nische entschieden, deren Vertreter auf 2nd-Hand-Schallplatten-Börsen inzwischen zu Höchstpreisen gehandelt werden, vor 10 Jahren aber sträflich unter Missachtung litten – der Electro-Funk der frühen 1980er Jahre. Einer Zeit, in der Fortschrittsgläubigkeit noch kein Schimpfwort war, sondern Verheißungen bedeutete. Und sich aus diesem Grund auch musikalisch manifestierte: Synthesizer-Anlagen in der Größe eines SUVs, der inflationäre Einsatz von Elementen wie der Talk-Box sowie Experimente mit Rhythmus- und Drum-Loop-Maschinen.

Und genau diese Nische zwischen dem Ende von Disco und dem Anfang von Stock, Aitken & Waterman haben sich Hawthorne und Jake One für ihr Tuxedo-Projekt als Blaupause vorgeknöpft. Von Zapp und Cameo, über Samson & Delilah, Timex Social Club und Alexander O’Neal bis zu Sharon Brown und Dennis Edwards, um nur einige wenige zu nehmen, an denen sich die beiden für ihre musikalische Retro-Reise orientiert haben. Und dafür, dass sich Hawthorne und Jake One für einen musikalischen Entwurf entschieden haben, der runde 35 Jahre alt ist, klingt "Tuxedo" erstaunlich zeitgeistig. Die Produktion ist erstklassig, Hawthorne verkneift sich seine Kopfstimme an den richtigen Stellen und Bläser und Streicher kommen nicht nur vom Band. Bei "R U Ready", "I Got U", "Roll Along" sowie den beiden Singles "Do It" und "Number One" funktioniert das sogar so gut, dass man fast vergisst, das die 1980er seit 30 Jahren Vergangenheit sind. Dass der All Killer No Filler Anspruch sich mit der etwas seltsamen Ballade "Two Wrongs" und dem Stolper-Instrumental "Tuxedo Groove" von selbst erledigt – kaum der Rede wert. Ein überzeugend stimmige Party-Platte.

Foto: Piper Ferguson

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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