So schön kann Sehnsucht sein – „Where is Piemont“ von Malky [DE]

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Als Laie, als Fan, als Musikinteressierter, als Zuhörer stellt man sich den Entstehungsprozess eines Albums ja in etwas so vor - vor allem den des zweiten Albums: die Band musste mal raus, mal etwas anderes erleben, sich musikalisch weiterentwickeln, Inspiration suchen. Dafür verlässt sie Stadt und Land. Zieht für einige Zeit in den Süden Frankreichs zwischen duftende, weite Lavendelfelder. Und kommt wieder mit einem Album, das nach Rotwein, Baguette und Camembert klingt. Beim Duo Malky lief das alles etwas anders. Heraus kam das zweite Album "Where is Piemont", das nach so vielem klingt, dass man es an dieser Stelle weder in ein paar Worten, noch einem Satz festhalten kann.

Malky
Where Is Piermont
Sony Music under exclusive license from Eighty Days Records
28. Oktober 2016
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Daniel Stoyanov und sein Partner Michael Vajna, die hinter Malky stecken, lernten sich in Mannheim kennen, zogen gemeinsam nach Leipzig, tüftelten dort, in ihrem selbstgebauten Studio, an ihrem Sound und veröffentlichten dann vor gut zwei Jahren ihr Debütalbum "Soon". Es folgten allerhand Konzerte. Und dann: eben nicht die Reise nach Frankreich. Und eben auch nicht die nach Italien, obwohl man das beim Albumtitel natürlich glauben könnte. Aber: Italien spielte eine große Rolle. Allerdings aus dem Haus von Vanja im Nirgendwo zwischen Berlin und Leipzig heraus. Und nicht vor Ort in der Region im Nordwesten Italiens. So beeinflusste also nicht das konkrete Land, sondern Italien in idealisierter Form als Sehnsuchtsort. Und das kann man hören, in wunderbarer Art und Weise.

Denn wie oben schon erwähnt hat "Where Is Piemont" musikalisch Einiges zu bieten. Einen seichten, fast poppigen Start mit "The Only One", südländische Klänge versetzt mit den sooft zum Einsatz kommenden Streichern bei "Theodore" und weibliche Unterstützung auf "Told I Must Die", dem dritten Song auf dem Album, der die Dramaturgie des Albums schlüssig weiterführt. Mit "The Fish" gibt es dann ein musikalisches Intermezzo, das nicht nur vom Titel, sondern auch von den benutzen Worten her - "sun", "waves" - daran erinnert, dass wir ja eigentlich alle sehnsüchtig auf den nächsten Urlaub am Meer, oder einfach in einem fremden, südlichen Land, vielleicht ja Italien, warten. An diese Urlaubs-Sehnsüchte schließt "Play" mit tropischen Bongo-Klängen an, die sich im Laufe der Spieldauer des Songs noch so sehr weiterentwickeln, dass hier durchaus mit dem Zuhörer gespielt wird.

Und obwohl "Play" nicht unangenehm klingt, wirkt die daran anschließende Ballade "When You Talk To Me" wie Balsam für die Seele und Ohren. Und dann der nächste Song, der einen dahin bringt, wo man doch eigentlich so gerne wäre: "Islands". Gitarren- und Percussionklänge, eine weibliche Stimme, ein Chor, ein Orchester, die Streicher. Seufz! Dieser Urlaubs-Filter sitzt. Bereits jetzt ist so viel gesagt und das Album doch noch lange nicht vorbei. Es folgen noch fünf weitere Songs. "Lampedusa", "The Cage", der Song zum Ausbruch aus dem Alltag, "Modern Ark", einer der ungewöhnlichsten und grade deshalb so guten Songs auf dem Album, "Cup of Hope", der für uns alle ein Becherchen voller Hoffnung mitbringt und zum Abschluss "Bulgaria", der mit so vielen Kindheitserinnerungen und so viel Nostalgie abschließt, dass man aus den sehnsüchtigen Gedanken und dem sich-woanders-hindenken, sei es der Urlaubsort der Kindheit, Südfrankreich oder Piemont, gar nicht mehr rauskommt. Zum krönenden Abschluss sieht man bei den letzten Tönen von "Bulgaria" einen imaginären Vorhang zugehen, denn eine tolle Vorstellung ist nun beendet. Das Schöne an Musik: man kann und sollte die Platte einfach noch mal auflegen und ein weiteres Mal durchhören.

Foto: Max Parovsky

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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