Soul-Survivor, überlebensgross – „Emma Jean“ von Lee Fields & The Expressions

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Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kaum jemand weiß das so gut wie der Soul-Survivor Lee Fields. Seit 45 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu Hause, veröffentlicht der Musik-Prediger mit dem nach seiner Mutter benannten "Emma Jean" sein mittlerweile dreizehntes Album.

Lee Fields & The Expressions
Emma Jean
Truth & Soul / Groove Attack
06. Juni 2019
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Moment mal – sind 13 Alben in 45 Jahren nicht ein wenig dürftig? – Nun, der Eindruck täuscht. Vor allem als charismatischer Live-Performer bekannt, erschien Fields Debüt erst 1979. Nur kurze Zeit später erlebte die Art Soul Musik, wie sie Fields kennen und lieben gelernt hatte, einen beispiellosen Bedeutungsverlust. Und Fields verbrachte den größten Teil der 1980er Jahre als hauptamtlicher Makler. Erst die Retro- und Back-To- The-Soul-Roots Welle trieb den begnadeten Sänger ab Mitte der 1990er Jahre zurück in musikalische Gewässer. Mit mehr Erfolg denn je – den Höhepunkt seiner Karriere erlebt Familienvater Fields im Spätsommer seines Lebens. Ganz wesentlich daran beteiligt war und ist auch das von Leon Michaels und Jeff Silverman gegründete Truth & Soul Records Label, auf dem Fields mit "Emma Jean" bereits sein drittes Album veröffentlicht.

Wie bei den Vorgängern "My World" und "Faithful Man" auch, kollaboriert Fields auf "Emma Jean" mit der Haus-und-Hof-Band des Labels, The Expressions. Mit einem ganz wesentlichen Unterschied: Obwohl selbst "My World" und "Faithful Man" ganz und gar nicht von schlechten Eltern, übertrifft das Material auf "Emma Jean" die Songs der anderen Alben um Längen. Und zwar in jeder Hinsicht. Es beginnt beim Songwriting – statt Patchwork-Puzzle und Flickenteppich-Komposition wirken die Songs in sich homogener, geschlossener, wie eine Einheit eben und nicht zwei halbe. Die Arrangements der Bläsersätze und Rhythmusgruppe klatschen sich nicht einfach mit den Teilen ab, auf denen Fields singt, sondern sie alle gehen den Weg bis zum Ende eines Songs gemeinsam. Das beste Beispiel dafür ist wohl "Stone Angel".

Gleichzeitig präsentieren sich Fields und seine Expressions so musikalisch weltoffen wie nie zuvor. Der vor selbstmitleidigem Moll strotzende Betroffenheits-Soul von "My World" ist längst Geschichte und einer ebenso kraftvollen wie rhythmisch-inspirierten Groove-Musik gewichen, der sich wie nur zufällig auch nach hinten orientiert. Und Platz lässt für eine JJ Cale Coverversion mit Drum-Machine ("Magnolia"). Apropos – dass man diese überhaupt hören bzw. wahrnehmen kann, ist ein weiterer Grund dafür, "Emma Jean" für das beste Fields-Album auf Truth & Soul zu halten: Nie haben Fields inklusive der Expressions voller, runder, schöner und perfekter abgemischt geklungen. Ganz so, als wäre man im Flux-Kompensator mit dem modernsten Equipment von heute rund 40 Jahre in die Vergangenheit gereist. Keine Ahnung, wie Jeff Silverman und Co das bewerkstelligen, aber es sollte den Bettye Lavettes, Luca Sapios und Nick Waterhouses da draußen eine Reise nach New York wert sein.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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