Spielt Sade ihren Kindern vor – „Avalanche“ von Quadron

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Popmusik in Perfektion kommt schon länger nicht mehr aus Amerika. Und wenn doch, dann nur, weil ein paar skandinavische Produzenten und Schreiber gerade zufällig in den Staaten zu tun hatten. "Avalanche", das zweite Album der Dänen, die sich Quadron nennen, bestätigt diesen Trend.

Quadron
Avalanche
Epic / Sony Music
14. Juni 2019
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Das Gerede von Nationalitäten und geologischen Gegebenheiten ist deshalb nicht ganz unwichtig, weil Quadrons Stimme Coco Maja Hastrup Karshøj die wahrscheinlich einzige Europäerin ist, mit der Tyler, The Creator für sein Album "Wolf" zusammengearbeitet hat. Dass der es ihr nicht hat heimzahlen können, ist irgendwie schade. Dann aber auch wieder nicht – mit Kendrick Lamar, dem Rapper, der gerade weltweit durchmacht, was Cro während der letzten 12 Monate in Deutschland blühte, ist die Reservebank bestens besetzt.

Sein zurückgenommer, beinahe leiser und trotzdem tighter Beitrag für den Track "Better Off" gehört zu den Sternminuten des Albums. Sogar für den Fall, dass mehr als ein Feature dieses Kalibers mehr als nur die Genre-Perspektive verschoben hätte – gedurft hätten Quadron schon. Findet der Autor. Wenn Quadron also mitnichten Hip-Hop sind, was dann? Ganz klar: Rhythmus-Pop. Abhängig von Coco Maja Hastrup Karshøjs erstaunlich wandelbarem Organ, baut Beatschrauber Robin Hannibal mal Incognito-eskes, Swing Out Sistriges oder Matt Bianco Meets Steely Dan Auf Air-Mäßiges. Die schon erwähnte Stimmbänder-Flexibilität seiner Partnerin besorgt dann die Bundfalten für die musikalisch immer auf zwei Beinen stehenden Entwürfe. Folgerichtig hört man bei "Crush" dann nicht nur ihren leichten S-Fehler, sondern auch die (wenn auch unkehlige Nähe) zu Amy Whinehouse. "Befriend" wiederum gehört zur Kategorie Portishead unreleased. Und auf "Sea Salt" empfiehlt sich die dunkelhaarige Dänin dann als lupenreines R’n’B Edel-Luder.

Bei aller professionellen Eingängigkeit aber muss auch gesagt werden: es ist eben nicht viel mehr. Leider. So hätten "LFT" und "Favorite Star", das der Autor für den stärksten Song des Albums hält, beispielsweise interpretiert von Feist vermutlich ein ganz anderes Level an Wärme erreicht. Und "Neverland" wäre als TLC-Nummer vermutlich die bessere Wahl gewesen. So aber ist "Avalanche" statt eines Kompromissangebotes zu einem Denn-Sie-Wissen-Sie-Nicht-Was-Sie-Tun-Wollen mit Verschlimmbesserungspotential geraten.

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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