Study Hard For That AIDS-Test – Seth Sentrys „Strange New Past“

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Storytelling? Check! – Battle-Rap-Gepose? Check! – Double-&-Tripletime Flows? Check! Großes Orchester Impressionen? Check! – Was Seth Sentry noch fehlt? Ein waschechter Hit. Vielleicht ist ja einer auf seinem aktuellen Album "Strange New Past" dabei.

Seth Sentry
Strange New Past
Kanoon Records / Membran
14. August 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Ruhig , Brauner. In Australien, Sentrys Heimat, firmiert der in Melbourne lebende Hip Hop Künstler bereits als Next Big Thing. Die nicht nur Down Under einflussreiche Radiostation Triple J jedenfalls hat ihn längst auf dem Schirm. Und mit "Strange New Past", seinem offiziell zweiten Album, wird seine Brise wohl ein paar Windstärken zulegen. Warum? – Weil "Strange New Past" im Vergleich zu seinem Debüt "This Was Tomorrow" wirkt wie ein IC neben einer Dampflok. Die gesamte Produktion ist wertiger, Sentrys Raps bzw. seine Stimme sind professioneller sowohl aufgenommen als auch gemischt, die Arrangements komplexer, fantasievoller, detailverliebter. In einem Satz: "Strange New Past" klingt einfach besser.

Und – was man im Speziellen Songs wie "Run", "Rooftop", "Dumb" und "Hate Love" anhört – Sentrys Vorliebe für einen gewissen Pop-Schmalz, gerne auch als Nichts-Für-Zuckerkranke-Refrains daherkommend, gibt es jetzt auch kariesfrei: Der Mitsing-Faktor ist noch immer da, klingt aber nicht mehr nach Dieter Bohlen. Apropos Beißhemmung: Die wahrscheinlich jedem Kaukasier (der nicht Eminem heißt) unterstellte Backpacker-Hip Hop Etikette kann angesichts solcher sowohl textlich als auch beat-technisch avancierter Banger wie "How Are You", "Hell Boy" und dem Übertrack "Nobody Like Me" wohl kaum aufrecht erhalten werden. Letzteres hat Sentry übrigens mit einem anderen aufstrebenden australischen Hip Hopper realisiert: Remi Kolawole.

Darüber hinaus bleibt "Strange New Past" erstaunlich feature-frei. Wenn man allerdings rap- und flowtechnisch ausgestattet ist, wie der inzwischen auch schon dreißigjährige Seth Sentry, kann man sich einen solchen Alleingang ruhig erlauben. "You said I only think with my dick, I said I think you just blew my mind" ist nur eine von jeder Menge zitier-fähigen Lines auf Sentrys neuestem Longplayer. Dass es auch sehr viel ernster geht, beweist er mit "Violin" – einem offenen Rap-Brief an seinen Vater. Und mit "1969", dass selbst Drum’n’Bass-Rhythmen kein Hindernis darstellen. Einzig der Album-Closer "Sorry" wirkt disparat und nicht dazugehörig. Das gilt sowohl für irgendwie unfertigen Beat als auch für die ironie-freie Selbstkasteiung im Asche-Auf-Mein-Haupt-Text.

Ansonsten können sich Sentry und seine Crew für "Strange New Past" ordentlich zuprosten. Von uns aus auch gerne mit "Fake Champagne".

Foto: Rowan Robinson

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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