Summer Selfie Slideshow OST – „The Wanderings Of“ von The Avener

The Avener - HD©Tim Rosemberg_1

Tristan Casara ist ein Musiker wie er im postmodernen eBook steht: Halbwegs instrumental vorgebildet, als DJ zum Profi geworden und dann zunächst produzierender Lieferant für andere. Unter dem Pseudonym The Avener gelang ihm 2014 mit dem Mash-Up aus einem simplen House-Beat sowie einiger Versatzstücke aus "Fade Out Lines" von Phoebe Killdeer und The Short Straws das, was man einen veritablen Hit nennt. Inzwischen ist das Album "The Wanderings of the Avener" erschienen.

The Avener
The Wanderings Of The Avener
Capitol / Universal Music
20. Februar 2015
3 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Gut möglich, dass sich der Rezensent kolossal irrt, aber nach nur einem einzigen Hör-Durchgang scheint sich die Entstehungsgeschichte des Avener-Albums wie von allein zu erzählen: In Übereinstimmung mit einer seit ca. zwei Jahren vorherrschenden Produktions-Ästhetik im Bereich Mainstream-Elektronika – man nehme ein kurzes, aber prägnantes Gitarren-Sample, baut darunter einen bloß nicht zu fordernden, percussiven House-Beat und fertig ist der Summer-Selfie-Slideshow-Soundtrack – entstand auch "Fade Out Lines". Ähnlich wie bei Wankelmut, Klingande, Alle Farben und Robin Schulz mauserte sich seine Produktion zu einem eben solchen: Summer-Selfie-Slideshow-Hit.

Bis hierhin: Alles schick. Dann aber muss unter dem Eindruck, der Glücksfall ließe sich in eine Formel packen bzw. der Überraschungserfolg sei beliebig oft reproduzierbar, eine Fehlentscheidung getroffen worden sein, die sich inzwischen rächt - insbesondere auf Album-Länge. Denn irgendwer muss Casara geflüstert haben: "Mensch, das lief doch so gut, das mit dem House-Cover. Mach doch noch ein paar davon." Selbst, wenn er selber die Idee gehabt haben sollte – niemand hat sie ihm ausgeredet. Und jetzt finden sich auf dem Debüt des jungen Franzosen plötzlich 13 Songs, die allesamt nach demselben Prinzip zusammengeschraubt wurden – dem des 14. Songs (siehe oben).

Das ist nicht nur wahnsinnig ermüdend. Es wird weder den Künstlern noch ihrer Musik gerecht. Keineswegs war frühes alles besser, aber The Avener weiß den 1970er Jahre Songepen von Andy Bey und Sixto Rodriguez genauso wenig hinzuzufügen wie allen anderen musikalischen Sprungbrettern, denen er sich bedient. Egal ob Kadebostany, Ane Brun oder Mazzy Star. Im Gegenteil: Mit dem so gut wie ununterscheidbaren Kartoffelstampf-Beat nimmt er diesen ansonst sehr verschiednene Sounds jedes eigene Profil. Sein eigenes auf dem Cover mag ja ganz ansprechend aussehen – klingen tut’s nicht. Was bleibt? – Die kleine Chance auf die Vorfreude, dass The Avener es das nächste Mal anders macht.

Foto: Tim Rosemberg

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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