Rhythmen in Geräusch-Haft – „SUM/ONE“ von bEEdEEgEE

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Fast wie die Bee Gees, nur mit einem dEE in der Mitte; und ohne Leerzeichen. Ob Brian DeGraw an die Falsettisten dachte, als er seine Initialen zum Künstler-Pseudonym machte? – Geht man einzig und allein von der Musik aus, die er auf seinem Solo-Debüt "SUM/ONE" versammelt hat, lautet die Antwort eindeutig "Nein".

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"SUM/ONE"
4AD / Beggars Group / Indigo
29. November 2013
6 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Zuletzt als hauptamtlicher Kopf der Experimental-Popper von Gang Gang Dance aktiv, gönnte sich DeGraw eine knapp einjährige Auszeit jenseits von Ground Zero, der Brooklyn Bridge und dem über-hippen Williamsburg. Im sagenumwobenen Woodstock suchte er aber nicht nur nach Ruhe und Abstand vom Großstadt-Trubel, sondern auch nach einem Ventil für die Inspirationen, die er – ja, was eigentlich - mit den Stammes-Brüdern und –Schwestern von Gang Gang Dance nicht in klingende Praxis umsetzen konnte?

Auf die Gefahr hin, dass der Klangtüftler DeGraw sich auf ewig missverstanden fühlt: Sein Wirken als Mastermind von Gang Gang Dance ist auch als bEEdEEgEE unüberhörbar präsent. Oder anders formuliert: Ob als Gang Gang Dance oder bEEdEEgEE – DeGraws Klangvision bleibt die Gleiche. Bis zur Verstörung Geräuschhaftes trifft auf ansteckend Eingängiges mit großem Ohrwurm-Potential. So nimmt es nicht weiter Wunder, dass sich auf den ersten Blick kaum ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden musikalischen Betätigungsfeldern ausmachen lässt. Von der Tatsache, dass die Gang Gang Dance Sängerin Lizzi Bougatsos lediglich bei "Like Rain Man" zum Einsatz kommt, einmal abgesehen. Dass aber sogar der erste Eindruck bisweilen eine zweite Chance braucht, bewahrheitet sich aber auch im Falle bEEdEEgEEs "SUM/ONE".

Nicht nur, dass die Klangexperimente insgesamt mutiger ausfallen, ihr aus Hörersicht subversives Potential also noch gründlicher ausgereizt wird ("Bricks"); als bEEdEEgEE klingt DeGraw ein gutes Stück elektronischer. Und selbst wenn, Gang Gang Dance Schlagzeuger Tim DeWitt an einigen Stellen auf "SUM/ONE" Hand angelegt haben sollte – Live-Drums sind so ziemlich das Letzte, wodurch sich DeGraws Debüt als Solist auszeichnet. Dass Hot Chips’ Alexis Taylor bei "(F.U.T.D.) Time of Waste" – dem mit Abstand direktesten Banger auf dem Album – einen Auftritt als Gast-Sänger hat, ist vor diesem Hintergrund nicht ohne Konsequenz: Deren ästhetisch ziemlich vollendete Verweigerungshaltung in Sachen Pop-Tradition scheint es auch DeGraw angetan zu haben. Eine nicht nur leichte Kost.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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