Surfen auf der Allrounder-Welle – „Alligator Years“ von Twinsmith

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Von dem Klischee, dass poppige Surfmusik vor allem aus Australien stammen muss, haben wir uns ja eigentlich schon lange verabschiedet. Schließlich können zum Beispiel auch die Amis ganz gut mit dem Brett umgehen, haben sie doch ebenfalls die eine oder andere Küste vorzuweisen. Dass sich aber auch im Mittleren Westen der USA, weit entfernt von den Küsten, poppig-charmanter Surf-Rock komponieren lässt, das beweisen Twinsmith nun mit ihrem zweiten Album "Alligator Years".

Twinsmith
Alligator Years
Saddle Creek / Cargo Records
08. Mai 2015
7 / 10
Erhältlich bei iTunes

Rhythmisch-rockig setzt "Seventeen" auf dem Nachfolgealbum den Startschuss im Stile der nordischen Kollegen namens Arkells – und die Lauscher sind gespitzt. Das könnte was geben, das könnte das Album für einen feucht-fröhlichen Sommer in jeglicher Hinsicht werden. Weiter geht es mit dem Titeltrack "Alligator Years", der definitiv poppiger daher kommt, was die gute Laune ja aber eigentlich nur verbessern kann. Retro-poppig mit dem Hauch an Melancholie ("it's a heartbreaking way to go") geht es dann auf "Is It Me" zu – für Abwechslung sorgt die Band also allemal. Zudem steckt das Album voller jugendlicher Sehnsucht nach Selbstentdeckung; Tiefen spielen genauso eine Rolle wie Höhen, Ängste genauso wie Hoffnungen. Und das hört man nicht nur in den Texten sondern vor allem auch in den Melodien und daran, dass sich verschiedene Musikstile wie auch Gefühlslagen die Klinke in die Hand geben. "Constant Love" hat einen Touch New Wave im Surfgepäck, was ein wenig an die britischen Newcomer The 1975 erinnert – auch wegen der dezent verruchten Texte – während "Said and Done" so sommerlich daher kommt (ignoriert die leicht frustrierten Textpasssagen á la "she only calls in the nighttime" – hey, immerhin!), als würde Kakkmaddafakka parallel mit einem Steckenpferd über die Festivalbühne gallopieren (apropos – hier schon hineingehört?).

"Dust" ist die souveräne Ballade auf dem Album, die bei all der Abwechslung auf keinen Fall fehlen darf, genauso wenig wie das große  Finale "Carry On". Allerspätestens hier wird dann das surfende weibliche Geschlecht abgeholt, Boyband-Charme sei Dank. Und um noch eine weitere Band-Referenz mit in den Topf zu werfen: mit Mac DeMarco war die Band im letzten Jahr auf Tour. Ob die Songs vor, während oder nach der Tour geschrieben wurden, ist der Rezensentin nicht bekannt, aber man hat das Gefühl, dass die gewisse DeMarco-ische Gelassenheit auch auf "Alligator Years" mitschwingt.

Und mag der Sommer 2015 vielleicht von dem einen oder anderen Regenschauer oder Liebeskummer durchzogen werden – mit Twinsmith können negative Erfahrungen verarbeitet und all die Euphorie und gute Laune zurückgewonnen werden. Ein Album, das man jedem End-Teenager oder Anfang-Zwanziger mit strähnigem Zauselhaar auf den Plattenspieler legen kann.  

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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