Geheiligt werde ihr Name – „The Bones Of What You Believe“ von Chvrches

Chvrches - CMS Source

"I’ll Be A Gun And It’s You I Come For" – ersetzt man "I" durch "We" und interpretiert das "You" als Publikum, muss man dem Trio aus Glasgow schon jetzt attestieren – der Schuss hat gesessen. Von hinten durch die Brust ins Auge dringt ihr Debüt-Album "The Bones Of What You Believe" bis ins Mark.

Chvrches
The Bones Of What You Believe
Vertigo Berlin / Universal
20. September 2013
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Was als ein mit heißer Nadel gestrickter Hype im Jahre 2011 seinen Anfang nahm, geht inzwischen als gesichertes Band-Fundament durch. Dabei ist Chvrches, die Band, die einem ein "V" für ein "U" vormachen will, ein eher untypisches Trio. Während Iain Cook und Martin Doherty dem schottischen Indie-Rock-Zirkus entstammen, kann zwar auch  Frontfrau Lauren Mayberry auf jahrelange Band-Praxis zurückblicken, schlug sich im Wesentlichen aber als Freelance-Journalistin durch den regnerischen schottischen Alltag. Dass keiner von den dreien sich vor Chvrches großartig mit elektronischer Musik geschweige den Synth-Pop auseinandergesetzt haben will, mag man angesichts der Perfektion, mit der sie genau diese popmusikalische Disziplin auf "The Bones Of What You Believe" zelebrieren, nicht recht glauben.   

Dabei leben Chvrches’ Kompositionen vor allem von einem Kontrast, mit dem sich vor mehr als 20 Jahren schon Björk und Everything But The Girl profilieren konnten. Mayberrys natürlich-helles und glasklares Organ, das sich erfolgreich allen Versuchungen barocker Ausgestaltung und Verschnörkelungen widersetzt, bildet einen wunderbar abenteuerlichen Gegenpol zu den teilweise martialisch lauten ("Lungs" & "Lies") und sägezahn-gespickten Instrumentals ("Science/Visions") ihrer beiden Kompagnons. (Ein Orgelton, der durch ein riesiges Kirchenschiff hallt, ist auch angesichts des Bandnamens kein unpassendes Bild.) Der musikalische Brückenschlag, also der Punkt, an dem aus dem bloßen Kontrast etwas gemeinsames Größeres erwächst, erfolgt auf dem Rücken der komplexen und stets pop-tauglichen harmonischen Strukturen. Wie ein größtmöglicher gemeinsamer Nenner ziehen sich die Melodie-Bögen durch jedes einzelne Stück des Albums, von denen das übergroße "Gun" die nicht immer dankbare Rolle des primus inter pares einnimmt.

Überraschend ist das deshalb, weil eigentlich "Lies" die allererste Veröffentlichung des Trios war; mithin jener Song, auf den die schnell wachsende Popularität Chvrches gründete. Im Gesamtzusammenhang des Albums aber gehört er zu den eher grobschlächtigeren Stücken und fühlt sich dabei auch noch an wie eine unreife und so gut wie gar nicht ausgearbeitete "gun"-Ideen-Skizze. Sei’s drum. Elf von insgesamt zwölf möglichen Treffern ist hervorragend genug. 

Foto: John Spiers

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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