Sei’s Drum’n’Bass – „The Crystal Cowboy“ von Drew Lustman

falty dl

'Welcome to the Jungle' – mit diesen wenigen, wenn auch sehr treffenden Worten lässt sich das neue, Ende April via Planet µ erschienene Album des Produzenten Drew Lustman beschreiben, der  mit diesem die generelle Dubstep-Zuschreibung seines Pseudonyms Falty DL hinter sich lässt und unter seinem fast echten Geburtsnamen (der gute Herr heisst mit Vornamen Andrew...) aus dem vollen Brunnen des englischen  'ardcore continuum schöpft und uns zurückversetzt in die Neunziger, genauer gesagt an die Schnittstelle zwischen Jungle und dem frisch erwachenden Drum'n'Bass.

Drew Lustman
The Crystal Cowboy
Planet Mu / Cargo Records
24. April 2015
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | JPC

Schon der Opener "Watch A Man Die" mit seinem langen Piano-Intro, charakteristischem Vocalsample und herrlich klappernden Breakbeats verbindet die Gangsta-Attitude vieler Jungle-Tunes jener Zeit mit Atmospheric- oder auch Intelligent-Drum'n'Bass, während die „Timemachine“ uns mit ravigen Signalen und vertrackten Beats sogar in die seligen Zeiten des UK Hardcore – hier in Deutschland auch oft als Oldskool bezeichnet – zurückversetzt und stante pede die Rückkehr von Glowsticks, Trillerpfeifen und Wick VapoRub-getränkten Mundschutzmasken à la Altern8 fordert. 

Zahm hingegen präsentiert sich das eher soulige "Angel Flesh", das sich zwar die runden, abgrundtiefen Bässe aus besagten Stilen borgt, ansonsten aber irgendwo grob zwischen Downbeat und verhallten PostRave à la Burial mäandert. Nach dieser kurzen Ruhepause muss sich Lustman im nachfolgenden "Green Techniques" erst einmal wieder sortieren, bekommt allerdings die hektisch durcheinander wirbelnden Samples nicht wirklich in den Griff und wirkt mit diesem Track etwas hektisch und zu artifiziell. Dann doch lieber zurücklehnen und zu kristallinen Flächen auf dem Rücken des gepflegten 4/4 reiten, während analoge Subs in "Wolves" an den richtigen Stellen für angenehme Vibrationen sorgen.

Die "Hyena" zeigt sich, ihrem tierischen Ruf entsprechend, ungezähmter und deutet als kurzes Interlude mit gepitchten Vocalsamples einen möglichen Exzess auf der Tanzfläche an, dem dann durch den PianoJungle des Titeltracks auch stattgegeben wird, in dem sehr überzeugend gefilterte Breaks auf knarzige Basslines und klassische, leicht analog leiernde Atmosphären treffen. Fein, das. 

Im nachfolgenden "Onyx" wagt sich der eigentlich dem Rap zugetane Le1f erstmalig an echten Gesang und liefert soulful über zurückgenommen shakenden Beats ab, während "The Hatchet" PostRave, an MG-Salven erinnernde Skipgeräusche und ein an kölschen Schaffel angelehntes Beatgerüst zu einem etwas wirr wirkenden Ganzen vermengt. Elektroid metallisch mit melancholischen Synths garniert, gerieren sich die über den "Blueberry Fields" aufgehenden Sounds und begrüssen, wenn sich das Ohr des Schreibers hier nicht irrt, sogar verzerrtes, südostasiatisches Schlagwerk in ihren Reihen, bevor sich mit "Sykle" das Ende des knapp 44-minütigen Longplayers trotz der auf maximale Geschwindigkeit getrimmten Elektrobeats eher versöhnlich zeigt. 

Auch wenn die etwas kratzige, sehr metallische Gesamtsoundästhetik des Albums dem ein oder anderen Konsumenten ein Dorn im Auge (resp. Ohr) sein mag, vergeben wir an dieser Stelle sieben von 10 Punkten.

Foto: Carme Boixadera

 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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