The In-Krauts – „II“ von Moderat

Moderat_Berlin_2013_by_Olaf_Heine_highres

Moderat sind kein Mode-Rat. Was nicht heißt, der deutsche Super-Dreier aus zwei Modeselektoren und einem Apparat, wüsste nicht visuell zu gestalten oder noch schlimmer, zu überzeugen. Wie sehr aus einem Guß und formvollendet Moderat-Schöpfungen tatsächlich sind, davon zeugt Album Nr. 2 unter dem gemeinsamen Projektnamen.

Moderat
II
Monkeytown / Rough Trade
02. August 2013
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Wüßte man es selbst nicht besser, käme man wahrscheinlich nur unter bewusstseinsverengenden Substanzen auf die Idee, Moderat könnten Teutonen sein. Die zum Bersten produzierte Scheibe passt kaum durch die Kopfhörer des Autors. Der Snare/Rimshotknall bleibt dem Ohr als Phantomschmerz erhalten – auch zwei Stunden nachdem die letzte Note verklungen ist. Warum die gesamte Rhythmusgerüst nach Rechtsverkehr und Fish’n’Chips schreit, lässt sich schwer sagen – hören kann man es viel besser.

Kein Wunder also, dass sich der 10-Minuten-Kracher "Milk" anhört, als hätten Leftfield gemeinsame Sache mit Jon Hopkins gemacht. Als wäre Mike Skinner so frisch und kreativ wie vor den 25 Kilo Schnee. Als hätten SBTRKT und Scuba einen Generationenvertrag mit Cold Cut und Bomb The Bass geschlossen. Zum typisch Englischen im Moderat-Sound gehören aber nicht nur die monströse Wucht und diese eiskalten Hallfahnen. Charakteristisch für viele wegbereitende Sounds aus Richtung Insel war immer auch der Pop-Appeal. Das Element, was dafür sorgt, dass auch Mosh-Pit fürchtende Frauen auf die Tanzflächen drängen. Und dort bleiben. So gesehen, ist Moderat auch für die jeweils parallel betriebenen Projekte Modeselektor und Apparat ein Segen. An Melodien litt Apparat zwar nie Mangel, wohl aber an rhythmischer Derbheit, mit der Modeselektor wiederum Völlerei betreiben. Ein Beat wäscht den anderen.

Dass man es aber auch damit übertreiben kann, zeigen Moderat unabsichtlich bei "Gita". Im Ansatz gut gewollt, dann aber leider verkonnt. Immerhin kann das dem Vermögen von Gastsänger xyz nichts anhaben. "Damage Done" ist in dieser Hinsicht ein Borderliner, der sich aber noch auf die gute Seite zu retten vermag. Der Rest, allen voran "Bad Kingdom", "Versions" und "Ilona" (in dieser Reihenfolge bitte) ist schlicht phänomenal.

Foto: Olaf Heine 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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