The Moody Groove – „The Nightday EP“ von Zhu

zhu paradise

Wer ist Zhu und wenn ja, wie viele? – Dem Produzenten, der laut seines Soundcloud Profils in LA/SF zu Hause ist, geht nichts über seine Anonymität. Die Gesichtslosigkeit helfe ihm, nicht nur kreativ freier zu sein, sondern auch andern gegenüber ein Jedermann zu bleiben, wie er im Interview mit triple_J klarstellte.  Soll er doch. Wirklich wichtig ist eh nur, was es über seine Musik zu sagen gibt. Zum Beispiel zu der, die sich auf seiner Debüt-EP "Nightday" befindet.

Zhu
The Nightday EP
bitclap / WM Germany
21. November 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes

Eines lässt sich ohne Weiteres sofort sagen – Clicks und Cuts sind Zhus Sache nicht. Kompressoren werden auf der "Nightday EP" so eingesetzt, wie man es sonst nur von DTM-Rennfahrzeugen kennt: Zur Leistungssteigerung. Was – ganz nebenbei – nicht bedeutet, Zhu wäre ein klangtechnischer Grobmotoriker. Man darf unterstellen, dass es eine ästhetische Grundsatzentscheidung war, Bässe und Beats ganz und gar in den Soundvordergrund zu stellen. Und zwar nicht nur, weil sie für Produktionen mit einem derart überdeutlichen Funktionszuschnitt sowohl das Skelett als auch den Blutkreislauf darstellen.

Was jeden einzelnen der insgesamt sechs auf der "Nightday" enthaltenen Songs über die Plastizität von Drum und Bass noch auszeichnet, ist die schlichte Tatsache, dass es sich bei ihnen um Stücke in Moll handelt. Die treibende Action, die eben vor allem vom Beatgerüst ausgeht, wird dadurch auf höchst angenehme Weise kontrastiert. Prinzipiell ähnlich verfährt Zhu mit den – wohl auch von ihm stammenden – Gesangsspuren: Mühelos zwischen hoher Bruststimme und Falsett changierend, bilden sämtliche Stimm-Arrangements einen gut funktionierenden Gegensatz bzw. Gegenentwurf zu der unmittelbaren Unentrinnbarkeit von Beat und Bass.

Zwei Tracks auf der "Nightday EP" überraschen, indem sie das Muster, das die anderen suggerieren, durchbrechen. "Superfriends" ist der mit Abstand langsamste Song der gesamten EP. Leider auch der, mit dem sich Zhu eher keinen Gefallen tut: Die Slomo-Purple-Drank-Raps und die Billo-Synthie-Line? – Kann er besser. Wie zum Beispiel bei "Paradise Awaits", der zweiten besonderen Nummer des Zhu-Erstlings: Der wiederum fällt auf, weil sie auf den sonst obligatorischen 4-2-The-Floor Rhythmus verzichtet und der Beat stattdessen nach bester British-Bass-Manier von einem Trommelfell zum andern bounct. Der Rest, insbesondere "Faded" und "The One", ist gut abgehangener und dabei erstaunlich aufgeräumter Mainstream-House mit wuchtigen Kartoffelstampfer-Beats.  

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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