Die gute, coole Alte Schule – „The Western Transient“ von Quantic

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Nicht einmal auf eine Saurierhaut passt, was Will Holland alias Quantic innerhalb der letzten 15 Jahre alles so angestellt bzw. veröffentlicht hat. Von seinen zahlreichen Seitensprüngen gar nicht erst zu reden. Jetzt hat der Mann, Musiker und DJ abermals einen atemberaubenden Longplayer vorgelegt: "The Western Transient".

Quantic
The Western Transient
Tru Thoughts / Groove Attack
31. Juli 2018
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Beeindruckend ist der Holland’sche Workload aber nicht nur wegen seiner schieren Quantität. In den letzten gut 15 Jahren hat der, der als Gitarrist in einer englischen Schülerband angefangen hatte, sich an so ziemlich jedem musikalischen Genre vergriffen, das nicht bei drei auf dem Baum war: Broken Beats, Trip Hop, Downbeat, Jazz, Soul, Retro, Pop, Electronica, Latin - You name it, he got it. Abgesehen von einer spezifischen Soundvision und einigen obligaten Bossa-Rhythmen, hat sein neuestes Werk folgerichtig nichts mit dem Quantic Sound der frühen Tage, so zum Beispiel der Überwurf "Mishaps Happening" gemein. Aus der subjektiven Sicht des Autoren war es genau dieser Umstand, der den Produktionen aus der jüngeren Vergangenheit dann auch nicht zum Vorteil gereichte. Auf "The Western Transient" ist das anders.

Und weil kein Quantic-Album ohne entsprechend thematische Klammer auskommt, hat Holland auch für "The Western Transient" einen narrativen Rahmen abgesteckt: Hoch sollen sie leben, die unsichtbaren Session-Musiker. Jene Musik-Arbeiter, die Kreativität im Akkord abliefern mussten, ohne je davon so zu profitieren, wie ihre Auftraggeber. Dabei sind und waren sie es, die mit ihren eingespielten Ensembles unnachahmliche und damit unverwechselbare Sounds kreierten; egal ob Stax, Motown oder Toto – und das sind nur die bekanntesten.

Holland hat sich also zehn von seinen Lieblingsmusikern herausgesucht und mit ihnen Kompositionen eingespielt, die den Pionieren dieser Handwerkskunst – zu allererst beim und im Jazz zu Hause – die Ehre erweisen. Insbesondere natürlich den Verantwortlichen der Capitol Studios in Los Angeles, namentlich vor allem Les Paul, dem Erfinder der modernen E-Gitarre, der sein ganzes musikalisches und akustisches Know-How in den Bau dieser legendären Aufnahme-Räume hat mit einfließen lassen.

Das Ergebnis ist eine in sich und auch darüber hinaus vollkommen schlüssige Schallplatte, nach deren warmen, organischen Klang sich wohl selbst Macher wie Aphex Twin sich die Finger lecken. Die zehn Instrumentals decken dabei eine Bandbreite ab, die damals bzw. früher, als Sänger wie Lou Rawls den Studio-Bands noch Anweisungen entgegen röhrte, nicht der Rede wert gewesen wäre: Vom bar-jazzigen Opener "Latitude", über die an David Axelrod und Oliver Nelson erinnernden "Jumble Sale" und "A New Constellation" sowie die zwischen Bossa, Chico Hamilton und Gabor Szabo changierenden "Requiescence", "Nordeste" und "Mirzan" bis hin zum dem besten Song des gesamten Albums, dem energischen "Bicycle Ride" – Quantic und Company beweisen mit "The Western Transient", dass Tradition keiner Zukunft im Wege steht. 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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