Tierisch gut – „Animals“ von The Sweet Serenades

Press_trailer_(c)_Per_Forsberg

Das schwedische Duo The Sweet Serenades hat auch Album Nummer 3 namens "Animals" angeblich nach ihrem altbekannten Rezept gebacken: mit energetischen Gitarren, urmenschlichem Gebrüll und mit einer konstanten Überdosis von kraftvollen Schlägen auf die Floor Toms. Wir haben es getestet und finden: das ist ein wahnsinnig leckeres Rezept. Mit Suchtgefahr.

The Sweet Serenades
Animals
popup-records
09. Oktober 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Webshop

Apropos Suchtgefahr: ob das überhaupt erlaubt ist, so ein Rezept? Sagen wir mal so, mit Kriminellen kennen sich die beiden ja aus, es könnte also sein, dass das Rezept gar nicht so ganz legal ist. Warum sich Martin Nordvall und Mathias Näslund mit Kriminellen auskennen fragt Ihr Euch jetzt? Na, weil das erste Album "Balcony Cigarettes" mit rund 100 Auftritten in schwedischen Gefängnissen an einem ganz besonders anspruchsvollen, da schnell gelangweilten und dann den Raum verlassenden, Publikum getestet wurde. Aber wir gehen jetzt einfach mal nicht davon aus, dass sie zu diesem Publikum noch stetigen Kontakt haben. Die Eindrücke, die Energie und die Dynamik von damals haben sie sich aber bewahrt und über das Debütalbum und "Help Me!" hinaus auch auf "Animals" mit einfließen lassen. Und Rezept hin oder her, die Band bleibt sich halt treu, die Mittel einfach, aber überzeugend und auf den Punkt.

Das beweist sofort zu Beginn der Albumopener "Come Out And Play" – hört man erst einmal die im Rezept beschriebene energetische Gitarre, den pumpenden Bass, den leidenschaftlichen Gesang und das kraftvolle Schlagzeug, dann ist der Aufforderung zu widersprechen unmöglich. All das fehlt auch im zweiten Stück "Fireworks" nicht, in dem die Gitarren erneut bis aufs Äußerste gespielt werden und auch die Backgroundsängerinnen alles geben. Man könnte sich vorstellen, der Song wird kraftvoll in der Wüste präsentiert und das Echo vehement aus seinem Versteck gelockt. Fun Fact zum dritten Song mit dem verschwörerischen Namen "In The Dark": es wurden gruselige Sounds von einem wirklichen Exorzismus gesampled, die dann aber doch nicht genutzt wurden, weil dafür am Ende der Mumm fehlte. Verständlich. Gruselig-psychedelisch klingt der Song aber dennoch. Und das Animalische, das der Titel des Albums erahnen lässt, kommt spätestens jetzt zum Tragen, könnte der Song doch auch von zwei Wölfen interpretiert werden. Einen dramatischen Liebessong gibt es auf "Animals" natürlich auch und er hält musikalisch fest, was wir doch eigentlich leider alle schon wissen: Liebe kann manchmal auch Krieg sein, are you "Ready for war"!? Schaut man jetzt aufs Tracklisting, stellt man fest, dass man (leider) schon bei der Hälfte des Albums angekommen ist. Dafür geht's musikalisch ein klein wenig verändert weiter: "When The Man Calls" wirft neue, new-wavige Klänge in den Raum und ein Bild kommt der Rezensentin recht schnell in den Kopf: starke, muskulöse Männer tanzen in bunten, enganliegenden Jogginganzügen zum Beat. Ein Augenzwinkern inklusive. Der 80er Jahre Charme bleibt auch beim darauffolgenden "Never Gonna Stop" bestehen, aber es wird ein wenig dunkler, marschierender, angetrieben von den gemeinsamen "Ahohahohs". Kurz vor Schluss gibt es mit "Too Late To Dance" dann schon den vermeintlichen Rausschmeißersong, der aber eher zum Verweilen, zum Weiterschmusen einlädt. Der Titeltrack "Animals" klingt zwar nicht so animalisch wie erwartet, denn dafür klingen die Synthie-Klänge zu unnatürlich, aber egal, zum Tanzen lädt der Song allemal ein, vielleicht ja auch Draußen, in der freien Natur, am Lagerfeuer...  "Stand By Me" rundet melancholisch ab, was eigentlich eh schon sowas von rund war. Der Text ist wieder extrem einfach gehalten, was man, einzig neben der Länge bzw. Kürze des Albums, vielleicht bemängeln könnte. Allgemein haben wir es hier nun wirklich nicht mit lyrischen Meisterstücken zutun. Aber dafür überzeugt "Animals" halt musikalisch umso mehr und manchmal möchte man ja auch einfach nur Musik hören und sich nicht über Anekdoten, Synonyme oder Metaphern Gedanken machen müssen. Manchmal möchte man einfach Pop-Rock hören.

Achso, Vergleiche mit anderen Bands haben wir uns gespart. "Animals" ist zwar Pop, aber Männerpop. Männerpoprock um genau zu sein. Der Frauen mit sowas von großer Wahrscheinlichkeit auch gefällt. Womit also vergleichen?
"If you stand by me, I stand by you" – mehr gibt es hier nicht zu sagen, die letzte Strophe bringt es einfach auf den Punkt: wir bleiben mit Sicherheit bei dem Album und das Album eindeutig auch bei uns im Ohr.                 

Foto: Per Forsberg 

Entdeckte Musik durch ihre Oma, die mit ihr Kinderlieder am Telefon sang. Damals, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein. Dann für's musikorientierte Studium in die Niederlande und nach Finnland. Derzeit wohnhaft in Hamburg. Und die Liebe zur Musik nicht verloren.

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