Too Good To Be Famous – „Distraction“ von Bear Hands

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Bären Hände? – Was soll ich sagen: Namen sind nicht nur Schall und Rauch, sondern auch Geschmackssache. Noch seltsamer allerdings ist, was sich Bear Hands auf ihrem inzwischen zweitem Album "Distraction" trauen: Post-Avantgardistische und nach Fusion-Retro riechende Drei-Minuten-Pophits.

Bear Hands
Distraction
Warner Music International
08. August 2014
7 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Riffs und Bassläufe, die wie mit dem Lineal gezeichnet, wahrscheinlich auch auf Millimeter-Papier gut aussähen ("Impasse"), gewöhnungsbedürftige Rhythmus-Verschiebung ("Giants", "Bone Digger" & "Bad Friend"), 1960er Jahre Harmonik ("Peacekeeper") und sogar eine (möglicherweise unabsichtliche) Verbeugung vor Faith No More ("Party Hats") – eines scheint sicher: Bären Hände sind groß genug, um auch noch die heterogensten musikalischen Einflüsse in den Griff zu kriegen. Gleichzeitig setzen sich die vier Ausnahmeinstrumentalisten damit auch zwischen zwar nicht alle aber doch ziemlich viele Stühle.

Und wohlmöglich war das einer der Gründe für den eher suboptimalen Erfolg ihres Debüts. Eine Weiterentwicklung ist klar ersichtlich: Von den auf "Burning Bush Supper Club" noch zahlreich vorhandenen Math-Core- und Wir-Haben-Früher-Auch-Viel-Fugazi-Gehört-Einflüssen ist auf "Distraction" nicht wirklich viel geblieben; von den über das Album zuhauf verteilten verzerrten Gitarren ebenso wenig; die sich anstelle dessen und mit Hilfe noch präsenterer Keyboards manifestierende Eingängigkeit sucht ihresgleichen. Nicht einmal vor Restaurationsarbeiten an seinem Vokal-Apparat hat Sänger  Dillon Rau zurückgeschreckt: Der rhythmisch gut informierte Staccato-Gesang tut der Musik nicht einfach nur gut – er geht inzwischen als wieder erkennbares Markenzeichen durch. Und trotzdem: Statt zwischen den alten, sitzen sie jetzt zwischen neuen Stühlen.

"Distraction" könnte sich damit als selbsterfüllender Prophezeiung erweisen. Und zwar eine von der Art, die Bear Hands alles andere als bärenstark finden. Bandbreite und Komplexität ihrer Kompositionen dürften die meisten Normalo-Hörer-Ohren schlichtweg überfordern. Mit ihrem Qualitäts-Standard haben sich Bear Hands einen Bärendienst erweisen. Es klingt paradox und ist’s leider auch: Bear Hands sind zu gut.   

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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