Trademark-Sound in Reinkultur – „In The Beginning“ von Marbert Rocel

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Michael Reinboth's Compost Records und das Leipziger Bandprojekt Marbert Rocel – zwei Dinge die nahezu untrennbar zusammen gehören. Denn auch im zehnten Jahr des Kollektivs und acht Jahre nach Veröffentlichung des Langspieldebuts "Speed Emotions" veröffentlichen Marbert Rocel ihr mittlerweile viertes Studioalbum unter dem Dach ihrer lieb gewonnenen Münchner Heimstatt und schlagen mit den zwölf Tracks ihres neuen Werkes perfekt in die Kerbe zwischen qualitativ hochwertigem Downbeat und Future Jazz, die das Label Compost Records in den zwei Dekaden seines Bestehens kultiviert, gehegt, gepflegt und schlussendlich zum Trademark-Sound in Reinkultur erhoben hat.

Marbert Rocel
In The Beginning
Compost / Groove Attack
9. Oktober 2015
8 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Compost Records Shop

Doch Marbert Rocel sind weit mehr als nur gepflegter Sound zum Zurücklehnen. Schon der rauchig-athmosphärische Opener versöhnt rohe Basslastigkeit mit zum Ende hin brutalem, wenn auch immer noch an Jazz angelehntem Drumming und dem Grundgefühl, das Pop in einer schummerigen, etwas abgerockten Untergrundbar vermitteln sollte, während "Always On My Mind" sich mehr zum Dancefloor hingezogen fühlt und dabei mit beschwingten Beats an Projekte wie Hacienda oder Aromabar erinnert. "Make Me Walk" lässt Köpfe zu feinst abgestimmten, organischen Dope Beats nicken, auf denen jedoch nicht gerappt, sondern gesungen wird; "Up To You" liefert leicht grummelig-spätherbstliches SlowMotion-Schlagwerk zu besinnlichen Vocals und tief melancholischen Streichern und "Velvet" präsentiert sich dem Titel entsprechend mit samtigen, weit in den Hintergrund gemischten Lyrics über krautig-abstrakten Drums, die über weite Strecken fast ohne Einsatz von Snares, Hi-Hats und Becken auskommen und nur von zusätzlichen, tiefbassigen Synth-Sweeps getragen werden.

Mit "Dawn Of The Day" nähern sich Marbert Rocel der Tanzfläche und kombinieren frühlingshafte Gesangsmelodien mit satten, für ein Funky Breaks- / House-Crossover fast schon überkomprimierten Snares; auf "Unwillingly Close" fusionieren funky 8Bit-Synths mit SlowHouse / DeepHouse-Anleihen für die sehr frühen oder sehr späten Stunden auf der Tanzfläche, um mit "Dance Slow" schliesslich in einen quasi-kosmischen NeoKraut-Trip abzugleiten, dessen leicht eierndes Synthesizer-Motiv jedem Fan des genannten Genres das Herz wärmen dürfte.

Der in "Bird Of Passage" besungene Vogel scheint zumindest musikalisch betrachtet eine eher melancholische Spezies mit tiefer Balearensehnsucht zu sein und auch "Hold On" widmet sich dem sehnsuchstvollen, in-sich-gekehrten Schwelgen in reiner Schönheit vor dem knisternden Kaminfeuer. Mit "Me, Myself And I" gibt es – oh Wunder - keine Hommage an De La Soul'schen HipHop sondern funky-discoiden Vocal-House fast klassischer Prägung, gegen den das finale "With Your Love" trotz unbestreitbar gegebener, an spacigem SynthWave-orientierter Funktionalität regelrecht dunkel und moody wirkt und dem vierten Marbert Rocel-Album einen würdigen Abschluss verleiht. Compost Records in Hochform, sozusagen.

Foto: Sandra Ludewig 

„DJ – Producer - Label Manager - Networking Person - Music Journalist“, dazu unter anderem Plattendealer und konsequenter Verteidiger der analogen DJ- und Tonträgerkultur. Hört „Quality [electronic] Music“ - und zwar so gut wie ausschliesslich von Vinyl und Tapes. Spezialist für eben jene der abseitigeren Art mit dem Ruf eines wandelnden Musiklexikons.   Nitestylez | TwitterSoundcloudMixcloud | Facebook | Tumblr | Youtube

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