Tut-Nicht-Weh Cuvée – „Urban Heat Island“ von Night Works

nightworks

Gabriel Stebbing war bei Metronomy, ist noch immer Your Twenties-Mitglied und hat mit "Urban Heat Island" nun sein erstes Solo-Album fertig gestellt. Und so sehr sich sowohl das Pseudonym, als auch der Waschzettel bemühen: das angeblich 4-Uhr-Morgens-Spezifische hört man nur, wenn man’s weiß.


Night Works
Urban Heat Island

 

Cooperative Music / Universal
22. März 2013

7 / 10

 

Erhältlich bei: Amazon | iTunes | Musicload


Was hingegen für’s Trommelfell klar auf der Hand liegt: Stebbing ist ein musikalischer Allesfresser, der vor allem Wert auf harmonischen Reichtum, rhythmische Zwangsläufigkeit und lyrische Meta-Ebenen legt. Umso mehr erstaunt, dass die offensichtlichen Klang-Parallelen so gar keine Erwähnung finden und viel zu häufig fahrlässig von R’n’B die Rede ist. Das Amalgam, das Stebbing auf seinem Album anrührt, weist kloßbrühenklar auf Al Stewart, dessen "Year of the Cat" insbesondere bei "Nathaniel" nachhallt; auf Deluxe-Popper wie Michael Franks zu seinen besten Zeiten und selbstverständlich auf Anoraak, Chad Valley, Ben Browning und seinen Landsmann Rob Smoughton aka Grovesnor.

Was Night Works allerdings und ganz besonders vom Letztgenanntem unterscheidet, das ist das deutliche Bekenntnis zum Organischen, zum Richtige-Instrumente-Klang. Synthies dürfen, Bass, Schlagzeug und Gitarre aber müssen. Dabei kommt dem Sechs-Saiter eine besonders bedeutungsvolle Rolle zu. Zwischen Dire-Straits-Sound und George Benson-Jazz lavierend, ist sie der am deutlichsten erkennbare rote Faden des Albums – auch wenn "Arp" schon dem Titel nach die regelbestätigende Ausnahme ist.

Darüber hinaus hat die dezidierte Klang-Präferenz noch ganz andere Konsequenzen. Das Klanggemisch aus Organik und Elektronik mit dem Schwerpunkt auf ersterem verleiht "Urban Heat Island" eine gewisse Zeitlosigkeit: Dass "Share The Weather" und auch "Arp" von 2012 sind, muss einem auch erstmal gesagt werden; und "Boys Born In Confident Times" hätten sich samt Solo auch Steely Dan unterjubeln lassen. Bei aller sowohl detailverliebten als auch professionellen Umsetzung bleibt dennoch der Eindruck von "ungefährlich". Das ist mitnichten schlimm, sondern ein pädagogisches Urteil.

photo: Cooperative Music

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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