Umwerfend – Valerie Junes „Pushin‘ Against A Stone“

Valerie

Mit Volksmusik im ursprünglichen Sinne kann der hundsgemeine Städter noch immer nicht viel anfangen; von der volkstümlichen ganz zu schweigen. Daran haben auch die Helden des Neo-Folk nur wenig ändern können. Was den Moldy Peaches und Michelle Shocked nicht so recht gelingen wollte, schafft Valerie June auf ihrem Album "Pushin’ Against a Stone" womöglich im Handumdrehen.

Valerie June
Pushin' Against A Stone
Sunday Best / Pias / Rough Trade
03. Mai 2013
9 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | Musicload

Ob das daran liegt, dass Valerie June sich auf ihrem mittlerweile dritten Album von so ziemlich allem freimacht, was mit der verhängnisvollen Vorsilbe "Neo-" in Zusammenhang stehen könnte? – Ja, woran denn sonst?! – Und von ein paar ganz wenigen Ausnahmen abgesehen ("Wanna Be on Your Mind" & "The Hour") ist es die Absenz jeden Hinweises auf das Hier, Heute und Jetzt, die "Pushin’ Against a Stone" zu einer grandiosen Zeitlosigkeit verhilft.

Dem ersten Höreindruck nach stehen vor allem Stimme, Banjo und Gitarre im Vordergrund – mithin jene Instrumente, ohne die weder Blues noch Folk (tatsächlich zwei Seiten ein- und derselben Medaille) denkbar wären. Aber selbst das ist nur die halbe Wahrheit. Noch eigentlicher geht es um die Geschichten, die Valerie June mit und durch ihre Texte erzählt. Geschichten rund um das Gegenteil von Friede, Freude und Premieren-Besuchen. Geschichten von Menschen, die vor lauter Generell-Klarkommen- und Überleben-Müssen vielleicht einen Sinn, aber keine Zeit für Schön-Geistiges haben.  Geschichten, die Blues- und Folk-Musik schon immer erzählt haben und nie aufhören werden zu erzählen. Der Vollständigkeit halber sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Frau June mitnichten über das verfügt, was man gemeinhin als "großartige Stimme" bezeichnet. Dass diese ganz im Gegenteil einen bisweilen recht flachen, gar quäckig-nasalen Eindruck macht, ist für den Gesamt-Klang allerdings elementar. Über eines nämlich ist die Musik von Valerie June erhaben wie nur was: Virtuosentum. "Pushin’ Against A Stone" ist zum Hören da, und nicht zum Bestaunen.

Weswegen Valerie June dann auch viel mehr mit Ani DiFranco (nein, nicht der Haare wegen) zu tun hat, als mit Fiona Apple; in Sachen Modernitäts-Ignoranz eher auf Seiten Combustible Edisons steht als auf der Mike Pattons; und hinsichtlich des Klangideals den 1970er huldigt wie in jüngster Zeit sonst nur Jim James. Die nahtlose Verbindung all dieser Elemente zeigt sich nirgendwo deutlicher als in "Workin Woman Blues", einem der herausragenden und besten Stücke auf "Pushin' Against A Stone". 

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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