Un-Fucking-Plugged – „Tied To A Star“ von J Mascis

J Mascis

Erfinder. Pionier. Originator. Mit welchen Worten auch immer die Welt versucht, das Verdienst der als Joseph Donald Mascis Jr geborenen Independent Ikone wertzuschätzen – sie treffen allesamt auf einmal zu. Das gilt sogar dann, wenn Mascis unter seinen Möglichkeiten bleibt. Wie auf seinem neuen Album "Tied To A Star".

J Mascis
Tied To A Star
Sub Pop / Cargo Records
29. August 2014
5 / 10
Erhältlich bei Amazon | iTunes | HHV

Streng genommen handelt es sich bei "Tied To A Star" erst um Mascis’ viertes offizielles Studio-Album. De facto aber dürften nicht nur Hörer Schwierigkeiten haben, eine klare Grenze zwischen die Dinge zu ziehen, die Mascis einerseits als Solo-, andererseits als Kollektiv-Künstler auszeichnen. Zu markant der Klang von Mascis' Gitarre, zu typisch sein zerbrechlicher Säuselgesang. Wenn überhaupt, darf behauptet werden, dass Mascis als Solo-Künstler die (vermeintlich) ruhigeren Gefilde bevorzugt: Im klanglichen Vordergrund stehen statt elektrisch verstärkter Riffs Akustik-Klampfen ("Heal The Star"), das stetig rollende Polterschlagzeug weicht rhythmischen Elementen, die eher als Percussion durchgehen ("Drifter"), und so richtig gelärmt wird sowieso nicht.

Im Großen und Ganzen trifft das auch auf "Tied To A Star" zu. Was nicht heißt, dass Mascis' Signature-Sound, die heulende E-Gitarre, fehlen würde. Schließlich ist sie - nicht anders als bei Santana, John Coltrane und Paul Desmond – (s)ein Markenzeichen. Dass sie auf "Tied To A Star" in den Hintergrund rückt und eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt, ist nur konsequent. Dafür haben Fans und andere Hörer mehr von seinen nöligen Nuscheleien zwischen Bauch- und Kopfstimme. Die mit dem Alter an Wirkung sogar noch zu gewinnen scheinen.

Das alles aber kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mascis dennoch im Schatten seiner Dinosaur Jr Personalunion steht. Lediglich "Every Morning", das Cat Power Duett "Wide Awake" sowie das orientalisch-exotisch anmutende Instrumental "Drifter" können sich überzeugend vom Verdacht freisprechen, Unplugged-Versionen ansonsten elektrifizierter Originale zu sein. Wirklich schlecht sind andere Dinge, aber gepflegte Belanglosigkeit darf man einem Großteil des Liedguts auf "Tied To A Star" schon vorwerfen. Ein Eindruck, der durch die auch hier fehlenden Hooks und Jetzt-Alle-Zusammen-Parts nur noch verstärkt wird. Fazit: Gut für ein Sonntags-Frühstück, an das man sich schon am Montag nicht mehr wirklich erinnern kann.  

Foto: Justin Lapriore

Geboren in: Magdeburg - stop - Zuhause in: Berlin - stop - Sammelt vor allem: Kochbücher - stop - Spezialist für: Kachelfunk, Power-Pop & Ostblock-Big Bands - stop - Zitiert am liebsten: Mitch Hedberg - stop - Endziel: Nobelpreis für alle - stop -

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